Die „Foutromanie“ ist das Glück der Götter, das ihnen die Langeweile vertreibt. Aber auch die Menschen macht sie glücklich. Der Verfasser eröffnet den Reigen dieser Glücklichen mit Fräulein Dubois, einer Schauspielerin der Comédie Française. Dann folgen die Damen Arnoux und Clairon, letztere mit dem Grafen Valbelle, Madame Allard mit dem Duc de Mazarin. Auch die Opernsängerin Fräulein Vestris hat ihre Freude daran. Gegen Ende dieses ersten Gesanges erscheinen die Herzoginnen und Hofdamen, die sich mit ihren Lakaien vergnügen. Zuletzt wird die unersättliche Libido der alten Polignac de Paulien geschildert.

Der zweite Gesang beginnt mit der Beschreibung der Reize einer jungen Anfängerin, welche der Leidenschaft eines jungen Wüstlings zum Opfer fällt. Eingeschaltet wird ein Gedicht „Père Chrysostome“ gegen die sexuellen Ausschweifungen in den Klöstern. Weiter dringt ein von Satyriasis Ergriffener in ein Nonnenkloster ein. Hier folgt ein Ausfall gegen Tribadie und Paederastie. Der alte Duc d’Elbœuf war einer der ersten, der die Secte der Paederasten nach Frankreich einführte. Zum Schluss Excurs über Syphilis.

Der dritte Gesang ist fast ganz der Rolle der Syphilis in der Liebe gewidmet. Zuerst wird die hohe Vollendung in der Heilkunst dieses galanten Leidens gepriesen; die „syphilitischen Liebeshelden“ werden gefeiert, insbesondere die am Mal de Naples leidenden Prälaten. Herr de Montazet, Erzbischof von Lyon, wird hier im Verein mit der Duchesse de Mazarin genannt. Nach höchst indezenten Aeusserungen über den Herzog von Orléans und Madame de Montesson wird die Liaison zwischen der verstorbenen Herzogin von Orléans und den Herren de l’Aigle und de Melfort enthüllt, welche letzteren von der Herzogin syphilitisch angesteckt wurden. Der Prinz de Beauffremont fiel in Ungnade, weil er sich mit einem Schweizer abgab. Am Schlusse Lob des Aretino, des Erfinders der „plastischen Stellungen“.

Der vierte Gesang ist ein Loblied auf das Bordell. Die berühmtesten Kupplerinnen und Bordellwirtinnen werden vorgeführt, so die Paris, Carlier, Rokingston, Montigny, d’Héricourt und Gourdan. Beschreibung der wollüstigen Orgien an diesen infamen Orten. „Bett und Tisch“ müssen sich folgen, daher sind die deutschen Frauen geeigneter für die „Foutromanie“. Der Autor verwünscht Italien, wo er Geld und Gesundheit verloren hat.

Im fünften Gesang werden zunächst die Syphilophoben ermutigt. Alle Frauen haben ja nicht die Syphilis. Montesquieu war im Feuer ebenso wie Rousseau und Marmontel. Grosses Lob des Dorat, des „poète foutromane“. Exkurs über die Holländer, die nur das Geld lieben. Schilderung der unkeuschen Kardinäle. Spinola schläft bei Palestrina, Albani bei Altieri, Bernis bei Saint-Croix, Borghese ist B..... Auch die Kaiserinnen Maria Theresia und Katharina II. verstehen ihre Sache, ebenso der König von Polen und die verstorbene Königin von Dänemark. Es ist nur ein Jammer, dass die „Dames de France“, die Tanten Ludwigs XVI. im Zölibat leben.

Agyroni ist der Held des sechsten Gesanges[176]. Dieser Charlatan hat den Verfasser wohl von einem galanten Leiden geheilt. Zahlreiche medizinische Details wie in Robés Gedicht über Syphilis. Schliesslich wird wieder die „Foutromanie“ gepriesen als die Seele des Weltalls.[177]

Das zweite Gedicht „Parapilla“ ist eine Uebersetzung des italienischen Originals „La Novella dell’ Angelo Gabriello oder Il Cazzo“ (= Phallus),[178] ein Wort, welches Papst Benedikt XIV. beständig im Munde hatte. Als ihm ein Höfling die Schmutzigkeit des Wortes vorhielt, erwiderte er: „Cazzo, cazzo! Ich werde es so oft sagen, bis es nicht mehr schmutzig ist.“ Das französische Gedicht besteht aus fünf Gesängen, deren Inhalt ganz kurz dieser ist:

Rodric empfängt vom Himmel ein gewisses Instrument, das alle Damen beglückt. Zunächst in Florenz die berühmte Donna Capponi. Dann gerät es in ein Nonnenkloster, in die Hände der Lucrezia, der Tochter Alexanders VI. Hierbei werden die Ausschweifungen in Rom unter diesem Papste geschildert, und das Gedicht schliesst mit einem obscönen Gespräch zwischen ihm und seiner Tochter.

Erwähnen wir noch, dass ein gewisses Incitamentum amoris, das in den Romanen des Marquis de Sade eine grosse Rolle spielt, sogar in einem eignen Poem als solches gepriesen wurde.[179]

Wir konnten nur das Allerwichtigste aus der erotischen Literatur des 18. Jahrhunderts flüchtig berühren. Der Einfluss derselben auf die Sitten war gewaltig, und der Marquis de Sade selbst hat diesen Einfluss der Litteratur empfunden. Er hat selbst eine treffende Charakteristik derselben zu geben versucht, die erkennen lässt, dass er die Bedeutung dieser pornographischen Litteratur wohl erkannt hat. Er sagt[180]: „Der Epicuräismus der Ninon-de-Lenclos, der Marion-de-Lorme, der Marquise de Sévigné und de Lafare, der Chaulieu, der St.-Evremond, dieser ganzen feinfühligen Gesellschaft fing endlich an, müde des cytherischen Liebessehnens, mit Buffon ‚nur das Physische in der Liebe für gut zu halten‘ und veränderte bald den Ton in den Romanen. Die Schriftsteller empfanden, dass die galanten Schwätzer nicht mehr ein durch den Regenten entsittlichtes Jahrhundert, das von den Kavaliertorheiten, der religiösen Schwärmerei und der Verehrung der Frauen zurückgekommen war, unterhalten konnten. Sie fanden es einfacher, diese Frauen zu amüsieren und zu verderben, als ihnen zu dienen und sie zu verherrlichen. Sie schufen Ereignisse, Gemälde, Konversation mehr nach dem Geiste der Zeit und entwickelten in einem angenehmen, leichten und bisweilen selbst philosophischen Stile den Zynismus und die Immoralität.“