„Le Paysan et la paysanne pervertis, ou les dangers de la ville“ (A la Haye 1784. 16 Teile in 4 Bänden) sind nach dem Grafen von Tilly die „Liaisons dangereuses der niederen Volksklassen“, welche die traurige Wahrheit predigen, dass die Tugend durch beständigen Verkehr mit dem Laster notwendig vernichtet wird.

Hieran reiht sich der „Pied de Fanchette“ (A la Haye 1769), die Geschichte einer jungen Modistin aus der Rue Saint-Denis, deren kleiner Fuss Rétif bezaubert hatte. Ueberhaupt ist Rétif ausgesprochener Fussfetischist. Für hübsche Frauenfüsse und Frauenschuhe hatte er eine fanatische Leidenschaft. Fanchettens Fuss ist wirklich der Held dieses Romans. „Son pied, le pied mignon, qui fera tourner tant de têtes, était chaussé d’un soulier rose, si bien fait, si digne d’enfermer un si joli pied, que mes yeux, une fois fixés sur ce pied charmant, ne purent s’en détourner... Beau pied! dis-je tout bas, tu ne foules pas les tapis de Perse et de Turquie, un brillant équipage ne te garantit pas de la fatigue de porter un corps, chef-d’œuvre des Grâces: tu marches en personne, mais tu vas avoir un trône dans mon cœur.“[172] Rétif gibt sogar in den Anmerkungen eine Geschichte der hübschen Frauenfüsse. In allen übrigen Werken kehren immer diese kleinen beschuhten Füsse wieder. Er sah eines Tages „Fanchette“ wirklich in der Rue Saint-Denis, und ihr Fuss, ein „Wunder an Kleinheit“, inspirierte ihn zu seiner Erzählung.

Ein Buch Rétifs, das am meisten an die Werke des Marquis de Sade erinnert, ist „Ingénue Saxancour, ou la femme séparée“ (Liège, 1789, 3 Bände), angeblich die Geschichte seiner unglücklichen verheirateten Tochter Agnes. Rétif hat in diesem Buch „die Grenzen des kühnsten Zynismus überschritten“, und der Verfasser sagt selbst, dass man in dem Werke finden wird „ce qu’on nomme dans le monde des horreurs“. Die unglückliche Gattin wird nach der Hochzeit von ihrem Ehemanne allen Launen eines entnervten Wüstlings unterworfen, sie erduldet die unglaublichsten Infamien und Grausamkeiten ihres „wollüstigen Henkers“.[173] Alexander Dumas der Aeltere, der im Jahre 1851 auf Veranlassung von Paul Lacroix im „Siècle“ unter dem Titel „Ingénue“ eine ganz harmlose Erzählung veröffentlicht hatte, deren Helden Rétif und seine Tochter Agnes waren, wurde von der Familie Rétif de la Bretonne verklagt und zu einer Geldstrafe verurteilt.[174]

Einige andere Schriften unseres Autors werden wir an anderer Stelle anführen, weil sie weniger zur schönen Litteratur gehören. Zum Schlusse gedenken wir in unserer kurzen Uebersicht, welche nur das am meisten Charakteristische hervorheben sollte, noch zweier sehr bekannter obscöner Gedichte des 18. Jahrhunderts. Das erste ist „La Foutromanie. Poème lubrique, à Sardanopolis, aux dépens des amateurs. 1775“[175]. Es enthält sechs Gesänge zu je 300 Versen. Der Zensor Le Noir bekam die strengsten Weisungen von der Regierung, die Verbreitung des Gedichtes zu verhindern. Trotzdem gelangten einige Exemplare zu dem hohen Preise von 9 Livres in den Handel. Das Gedicht beginnt mit den Versen:

Vous les voulez... je vais souiller mes rimes,

Poétiser en jargon ordurier...

Toi dont les feux raniment la nature,

Qui, maîtrisant l’homme et les animaux,

Brûle en secret le cuistre et le héros,

Sois ma déesse, adorable Luxure!