»Nun, meinethalben,« sagte er endlich, »lassen Sie einspannen. Mir ist es ganz gleich; ich fahre nach Tambow.«

Die Pferde wurden bald vorgeführt. Rudin trug seinen Mantelsack hinaus, stieg in den Postkarren, setzte sich und ließ wie vorhin den Kopf hängen.

Es lag etwas Hilfloses und Trauervoll-Ergebenes in seiner gebeugten Gestalt … Und das Dreigespann schleppte sich in kurzem Trabe unter dem einförmigen Geklingel der Schellen dahin.

Epilog

Wiederum waren einige Jahre verstrichen.

An einem kalten Herbsttage hielt vor dem Eingange des Hauptposthofes der Gouvernementsstadt S. eine Reisekalesche. Ächzend und sich reckend stieg aus derselben ein Herr, er war noch nicht alt, besaß jedoch bereits jene Fülle des Leibes, die man »respektabel« zu nennen pflegt. Nachdem er die Treppe zum ersten Geschoß hinaufgestiegen war, blieb er im Eingange des breiten Korridors stehen, und da er niemand gewahr wurde, forderte er mit lauter Stimme ein Zimmer. Sogleich hörte man eine Tür zuwerfen, ein langer Diener sprang hervor und lief eiligen Schrittes den Gang voran, nur an dem Schmutzglanz auf der Rückseite und den Ärmeln seines abgetragenen Rockes im Halbdunkel erkenntlich. Als der Fremde in sein Zimmer trat, warf er sogleich Mantel und Plaid ab, setzte sich auf einen Diwan, stemmte die Arme auf die Knie, blickte wie schlaftrunken umher und befahl sodann, seinen Bedienten zu rufen. Der Diener tat einen Schritt zurück und verschwand. Dieser Reisende war kein anderer als Leschnew. Er war der Rekrutenaushebung wegen von seinem Gute nach S. gekommen.

Leschnews Bedienter, ein junger, krausköpfiger und rotwangiger Bursche, in grauem, mit blauer Schärpe umgürtetem Mantel und weichen Filzstiefeln trat in das Zimmer.

»Nun siehst du, mein Lieber, da sind wir doch angekommen,« sagte Leschnew, »und du hattest befürchtet, die Schiene am Rade werde abspringen.«

»Ja, wir sind wirklich angekommen,« erwiderte der Bediente, und versuchte über dem aufgeschlagenen Kragen des Mantels zu lächeln, »wie aber die Schiene nicht abgesprungen ist, das …«

»Ist niemand da?« ließ sich eine Stimme im Korridor hören.