»Mich dünkt,« sagte sie, »unsere Unterhaltung nimmt eine trübe Wendung … Constantin, spielen Sie uns doch die neue Etüde von Thalberg vor … Vielleicht werden die Töne der Musik Afrikan Semenitsch bezähmen. Hat es doch Orpheus über wilde Tiere vermocht.«

Constantin Diomiditsch setzte sich ans Klavier und trug die Etüde zu voller Befriedigung vor. Anfangs hörte Natalia mit Aufmerksamkeit zu, fuhr aber dann in ihrer Arbeit wieder fort.

»Merci c’est charmant,« äußerte Darja Michailowna, »ich liebe den Thalberg. Il est si distingué. Worüber sinnen Sie, Afrikan Semenitsch?«

»Ich dachte,« begann langsam Pigassow, »es gibt drei Sorten von Egoisten: solche, welche selbst leben und andere leben lassen; Egoisten, welche selbst leben und andere nicht leben lassen, und endlich solche, welche weder selbst leben, noch andere leben lassen … Die Weiber gehören größtenteils zu der dritten Gattung.«

»Wie liebenswürdig! Was mich aber wundert, Afrikan Semenitsch, das ist die Zuversicht in Ihren Reden: Sie urteilen, als könnten Sie niemals irren.«

»Bewahre! Auch ich kann mich irren! Auch der Mann kann sich irren! Aber, wissen Sie, worin der Unterschied besteht zwischen unserem Irren und dem eines Weibes? Sie wissen es nicht? Ich will es Ihnen sagen: ein Mann zum Beispiel kann sagen, zwei mal zwei mache nicht vier, sondern fünf oder dreiundeinhalb; ein Weib aber wird sagen: zweimal zwei macht – ein Stearinlicht.«

»Das habe ich, dünkt mich, schon einmal gehört … Erlauben Sie mir aber die Frage, in welcher Beziehung steht Ihre Idee von den drei Gattungen Egoisten zu der Musik, die wir soeben gehört haben?«

»Durchaus in keiner; ich habe gar nicht auf die Musik gehört.«

»Nun, mein Bester, ich sehe, Sie sind unverbesserlich, ich ziehe mich zurück,« erwiderte Darja Michailowna, einen Vers aus Gribojedow variierend. »Was lieben Sie denn, wenn selbst Musik Sie nicht anspricht? Literatur etwa?«

»Die Literatur liebe ich, aber nicht die der Gegenwart.«