»Wo liegt Solotonoscha?« fragte auf einmal einer der Knaben Bassistow.

»Im Gouvernement Poltawa, mein Lieber,« nahm Pigassow das Wort, »im Herzen des Schopflandes[1].« (Er war froh, der Unterhaltung eine andere Wendung geben zu können.) »Wir sprachen von Literatur,« fuhr er fort, »wenn ich Geld übrig hätte, so würde ich ohne weiteres kleinrussischer Dichter werden.«

»Was soll denn das noch? Ein schöner Dichter!« erwiderte Darja Michailowna, »kennen Sie denn die kleinrussische Sprache?«

»Nicht im mindesten; das ist aber auch nicht nötig.«

»Wieso nicht nötig?«

»Ganz einfach! Man nehme nur einen Bogen Papier und schreibe oben darauf: ›Duma‹[2]; dann stelle man eine Anzahl Worte ohne all und jeden Sinn zusammen, füge nur einige kleinrussische Interjektionen wie: graje, graje, woropaje, hopp, hopp! oder etwas in dieser Art hinzu, und das Ding ist fertig. Dann schicke man es in die Druckerei und gebe es heraus. Der Kleinrusse wird es lesen, den Kopf auf die Hand fallen lassen und gewiß dabei Tränen vergießen. Das ist nun einmal so eine gefühlvolle Seele!«

»Ich bitte Sie!« rief Bassistow. »Was erzählen Sie da? Da hört aber alles auf. Ich habe in Kleinrußland gelebt, liebe das Land und kenne die Sprache … ›graje, graje, woropaje‹ ist ein vollständiger Unsinn.«

»Möglich, der Schopfkurt würde aber doch Tränen dabei vergießen. Sie sagen die Sprache … Gibt es aber denn eine kleinrussische Sprache? Ich bat einmal einen Kleinrussen, mir irgendeine Phrase zu übersetzen, und wie glauben Sie, daß er sie übersetzt hat? Er wiederholte fast genau die von mir vorgesprochenen Worte, nur daß er durchgängig i in ü verwandelte. Ist das etwa nach Ihren Begriffen eine Sprache? Eine selbständige Sprache? Bevor ich Ihnen das zugebe, lasse ich meinen besten Freund in einem Mörser zerstoßen …«

Bassistow wollte ihm etwas entgegnen.

»Lassen Sie ihn,« sagte Darja Michailowna, »Sie wissen ja, daß man von ihm außer Paradoxen nichts zu hören bekommt.«