Ins Zimmer trat ein Mann von fünfunddreißig Jahren, hohem Wuchse, etwas gebückter Haltung, kraushaarig und von dunkler Gesichtsfarbe, mit unregelmäßigen, aber ausdrucksvollen und klugen Zügen, feuchtem Glanze in den lebhaften, dunkelblauen Augen, gerader und breiter Nase und anmutig gezeichneten Lippen. Sein Anzug war nicht neu und eng, als wäre er demselben entwachsen.

Gewandt trat er auf Darja Michailowna zu, entbot ihr einen kurzen Gruß, sagte, daß ihn schon längst nach der Ehre, ihr vorgestellt zu werden, verlangt habe und daß sein Freund, der Baron, es sehr bedauere, nicht persönlich Abschied von ihr habe nehmen zu können.

Die feine Stimme Rudins entsprach weder seinem hohen Wuchse noch seiner breiten Brust.

»Nehmen Sie Platz … es freut mich, Sie kennenzulernen,« sagte Darja Michailowna, und nachdem sie ihn der ganzen Gesellschaft vorgestellt hatte, fragte sie, ob er aus dieser Gegend oder angereist sei?

»Meine Besitzung liegt im T…schen Gouvernement,« erwiderte Rudin, den Hut auf den Knien haltend, »ich bin seit kurzem hier. Ich bin in Geschäften hergekommen und habe meinen Wohnsitz fürs erste in Ihrer Kreisstadt genommen.«

»Bei wem?«

»Beim Doktor. Er ist ein alter Universitätsfreund von mir.«

»Ah! Beim Doktor … Man lobt ihn. Er soll, wie man sagt, seine Sache verstehen. Und der Baron, seit wann sind Sie mit ihm bekannt?«

»Ich traf ihn im vergangenen Winter in Moskau und habe jetzt ungefähr eine Woche bei ihm zugebracht.«

»Ein sehr gebildeter Mann – der Baron!«