»In dem, was ich bis jetzt gesagt habe,« erwiderte Rudin, »war leider sehr wenig Originelles. Alles dies ist schon längst bekannt und ist tausendmal wiederholt worden. Nicht darauf kam es an …«

»Aber worauf denn?« fragte Pigassow, mit leichtem Anflug von Unverschämtheit.

Er pflegte, wenn er stritt, mit spöttischen Ausfällen gegen seinen Widerpart anzufangen, dann grob zu werden und endlich schmollend zu verstummen.

»Ich will Ihnen sagen, worauf,« fuhr Rudin fort: »ich kann mich wirklich nicht, ich muß es gestehen, eines tiefen Bedauerns erwehren, wenn verständige Leute in meiner Gegenwart herfallen über …«

»Über Systeme!« unterbrach ihn Pigassow.

»Nun, meinetwegen, über Systeme. Was bringt Sie dies Wort so außer sich? Jedes System stützt sich ja auf die Kenntnis der Grundgesetze des Lebens …«

»Aber ich bitte Sie, die kann man doch nicht kennen, nicht ergründen …«

»Erlauben Sie. Freilich, nicht jedem sind sie zugänglich, und der Mensch ist dem Irrtum unterworfen. Sie werden mir aber wahrscheinlich zugeben, daß Newton zum Beispiel einige dieser Grundgesetze dennoch entdeckt hat. Das war ein Genie, zugestanden; die Entdeckungen, die geniale Geister machen, sind aber eben dadurch groß, daß sie zum Gemeingute aller werden. Das Bestreben, allgemeine Gesetze aus partiellen Erscheinungen herauszufinden, bildet eine Grundeigenschaft des menschlichen Geistes, und unsere ganze Bildung …«

»Dahin also wollten Sie!« unterbrach ihn wiederum mit gedehnter Stimme Pigassow. »Ich bin ein praktischer Mensch und vertiefe mich nicht gern in diese metaphysischen Spitzfindigkeiten.«

»Sehr wohl! Das steht bei Ihnen. Beachten Sie indessen, daß schon der Wille allein, ausschließlich ein praktischer Mensch zu sein, an und für sich ein System vorstellt, eine Theorie …«