Natalia antwortete nichts.

Man bracht den Tee. Die Unterhaltung wurde allgemeiner, doch ließ sich an dem plötzlichen Verstummen aller, sobald Rudin den Mund auftat, gleich merken, wie überwältigend der Eindruck war, den er hervorgebracht hatte. Es kam Darja Michailowna in den Sinn, Pigassow ein wenig aufzuziehen. Sie trat zu ihm und fragte ihn halblaut: »Warum schweigen Sie denn und zeigen uns nur ein höhnisches Lächeln? Versuchen Sie es doch, mit ihm wieder anzubinden,« und ohne seine Antwort abzuwarten, winkte sie Rudin zu sich.

»Eine seiner Seiten kennen Sie noch nicht,« sagte sie zu ihm, auf Pigassow deutend, »er ist ein erschrecklicher Weiberfeind, fortwährend greift er sie an; ich bitte, bekehren Sie ihn doch.«

Rudin blickte Pigassow unwillkürlich … von oben herab an: er war um zwei Kopflängen höher als er. Dieser krümmte sich fast vor Ärger, sein gelbes Gesicht wurde noch gelber.

»Darja Michailowna hat nicht ganz recht,« begann er mit unsicherer Stimme, »ich greife nicht ausschließlich die Weiber an; das ganze Menschengeschlecht behagt mir nicht sehr.«

»Was konnte Ihnen denn eine so schlechte Meinung von demselben einflößen?« fragte Rudin.

Pigassow schaute ihm gerade ins Gesicht.

»Vermutlich meine Studien des eigenen Herzens, in welchem ich mit jedem Tage mehr und mehr Schlacken entdecke. Ich urteile über andere nach mir selbst. Das mag vielleicht ungerecht sein, und ich tauge viel weniger als andere; was wollen Sie aber? Gewohnheit!«

»Ich verstehe Sie und sympathisiere mit Ihnen,« erwiderte Rudin. »Welche edle Seele hätte nicht Anwandlungen von Selbstunterschätzung gehabt! Man sollte aber doch aus dieser schlimmen Lage herauszukommen trachten.«

»Danke recht sehr für die Adelsbescheinigung, die Sie meiner Seele ausstellen,« erwiderte Pigassow, »mit meiner Lage hält sich’s noch – sie ist so übel nicht, und wenn es auch einen Ausgang aus ihr gibt, er mag bleiben, suchen will ich ihn nicht.«