»Das hieße aber, verzeihen Sie den Ausdruck – die Befriedigung seiner Eigenliebe dem Verlangen, in der Wahrheit zu verbleiben, vorziehen …«

»Und was denn anderes!« rief Pigassow, »die Eigenliebe – das Ding verstehe ich, verstehen Sie, versteht ein jeder; aber Wahrheit – was ist Wahrheit? Wo ist sie, diese Wahrheit?«

»Sie verfallen in Wiederholungen, ich muß Ihnen diese Bemerkung machen,« warf Darja Michailowna ein.

Pigassow zuckte die Achseln.

»Und was liegt daran? Ich frage: wo ist Wahrheit? Die Philosophen selbst wissen nicht, was sie ist. So sagt Kant: Das ist sie; Hegel aber – nein, bewahre! Dies ist sie.«

»Und wissen Sie, was Hegel darüber sagt?« fragte Rudin, ohne die Stimme zu erheben.

»Ich wiederhole,« eiferte Pigassow, »ich kann nicht begreifen, was Wahrheit ist. Meiner Ansicht nach gibt es eine solche nicht auf der Welt, das heißt, das Wort ist da, die Sache selbst aber existiert nicht.«

»Ei! Ei!« rief Darja Michailowna, »schämen Sie sich doch, so zu sprechen, Sie alter Sünder! Es gäbe keine Wahrheit? Wozu nützte es denn, auf der Welt zu leben?«

»Und wissen Sie, Darja Michailowna,« erwiderte ärgerlich Pigassow, »ich bin der Meinung, daß Sie, auf jeden Fall, das Leben ohne Wahrheit leichter finden würden, als ohne Ihren Koch Stephan, der so vortreffliche Bouillons kocht! Und wozu brauchten Sie überhaupt die Wahrheit, wenn ich fragen darf? Ein Häubchen ließe sich doch nicht daraus machen!«

»Spaßen ist nicht beweisen,« bemerkte Darja Michailowna, »besonders wenn es in Verleumdung ausartet.«