So klagte Hassan und Osmin ging auf die Seite, denn sein Herz ward ob dem Schmerze Hassans um seinen Sohn Selim tief gerührt.

Osmin, sprach hierauf Hassan, da mich Allah mit Strafe heimgesucht hat und da mir nun Ilev der Sklave kein freudiges Erinnerungszeichen mehr ist, vielmehr mein Herz bei seinem Anblicke nur stets mit Trauer erfüllt würde, so nimm den Sklaven zu dir, sage ihm, daß ihm Hassan die Freiheit geschenkt habe, statte ihn auf Kosten Hassan's reichlich aus und sorge dafür, daß er wohlerhalten in seine Heimath zu seinem Vater gebracht werde!

Edler Hassan, sagte Osmin, du legst mir eine edle Pflicht auf, der ich getreu nachkommen werde.

Während dieses in Hassan's Gemache vorging war Karl im Garten mit seinen Blumen beschäftigt. Er erinnerte sich wieder besonders lebhaft seines Vaters und seiner Schwester und sehnte sich stärker als je nach seiner Heimath.

Er hatte in einem entlegenen Theile des Gartens, welcher wild mit Strauchwerk verwachsen war, sich eine kleine Einsiedelei errichtet; in den Stamm einer Trauerweide schnitt er ein Kreuz, vor welchem er sich oft niederwarf und zu Gott betete, da holte er sich Trost, wenn sein Herz mit Kummer erfüllt war; hier durfte er beten, Niemand störte ihn. Da wandte er sich an den Erlöser, der so viel für die Menschheit litt.

Auch heute ging er seiner Einsiedelei zu, warf sich wieder vor dem Kreuze nieder und betete recht inständig zu Gott, er möge doch mit ihm seyn und Hassan's Herz bewegen, daß er ihm die Freiheit schenke und ihn in die Heimath ziehen lasse.

Guter Gott! sprach er, erhöre mein Gebet! Und Thränen flossen ihm von den Wangen.

Hierauf erhob er sich und fühlte sich recht gestärkt.

Da erschrack er, denn eine verschleierte Dame stand hinter ihm, welche wohl sein Gebet mochte angehört haben.

Erschrick nicht, Ilev! sagte die Dame mit lieblichem Tone, Gott hat dein Gebet erhört, Hassan hat dir die Freiheit geschenkt, du wirst zu deinem Vater zurück kehren!