O guter Gott! rief Karl, da hast du ja mein Gebet wieder erhört, und schickst mir abermals einen Engel, der mir verkündet, daß du mich nicht verlassen hast. Und seine Thränen brachen aufs Neue hervor.

Wie freut es mich, sagte die Dame, in dir einen Christen zu finden; wie erhebt mich sichtbar dein Glaube, dem auch ich zugethan bin. Nimm dieses Andenken, fuhr sie fort, und überreichte ihm ein kostbares Kreuz, es möge dich an die heutige Stunde erinnern, in welcher dir Ossira, das Weib Hassan's, deine Freiheit verkündigte. Solltest du wieder in Noth gerathen, so nimm deine Zuflucht zu dem Heilande, welcher für uns am Kreuze starb, und wie er dir heute geholfen hat, so wird er dir auch ferner helfen.

Karl warf sich ihr zu Füßen und küßte den Saum ihres Kleides, unvermögend, seinem Inneren durch Worte Luft zu machen.

Osmin, der Kaufmann, sagte Ossira und reichte dem vor ihr liegenden frei gewordenen Sklaven die Hand zum Aufstehen, ist beauftragt, dafür zu sorgen, daß du wohl ausgestattet, zu den Deinigen zurück gebracht wirst.

Lebe nun wohl, Ilev und so oft du dich zu Gott im Gebete wendest vergiß auch meiner nicht!

Mit diesen Worten verschwand Ossira, welche im Kummer ihres Herzens ob dem Tode ihres Sohnes Selim die unbesuchtesten Theile des Gartens ausgesucht und so den betenden Sklaven gefunden hatte.

Karl warf sich nun nochmals vor dem Kreuze nieder und dankte mit gerührtem Herzen Gott dem allgütigen Vater für das Werk der Barmherzigkeit, welches er an ihm gethan hatte. Dann ging er auf die Palmen zu, wohin ihn Osmin bestellt hatte.

Osmin wandelte schon unter den Palmen und als Ilev auf ihn zukam sprach er:

Preiße dich glücklich, da du von nun an nicht mehr Hassan's Sklave bist, der dich mir übergab, auf daß ich dich pflege und nicht als einen Sklaven behandle.

Ich sage Euch meinen tiefsten Dank, edler Osmin, sprach Karl, denn nur wohl auf Euere Verwendung hat mir Hassan der Gebieter die Freiheit geschenkt.