Die alte Margareth, erzählte nun der Wärter, stand damals bei der Polizei dahier in Diensten, nun wurde ein junger Bursche aufgegriffen, den man des Diebstahls zeihte, weil man einen kostbaren Ring bei ihm fand, der entwendet war; das gute alte Ding mag sich durch das klägliche Thun dieses Burschen haben verführen lassen und wie sie eingestand, hat sie denselben aus der Haft richtig entwischen lassen.
Karl erschrack sehr, denn nun zweifelte er nicht mehr, daß die unglückliche Wahnsinnige seine arme Margarethe sei, die ihm damals zur Freiheit verholfen, die er hintergangen und auf diese Weise höchst unglücklich gemacht hatte. Er verbarg aber sein Inneres, so gut er konnte und fragte wieder:
Wie ist man denn dahinter gekommen, daß Margaretha den Burschen entwischen ließ, hat sie es denn sogleich einbekannt?
Das nicht, versetzte der Wärter, aber man hat den Rock bei ihr gefunden, den dieser Bursche bei seiner Haftnahme getragen haben soll.
Gut, daß jetzt wieder die hellen Töne der Wahnsinnigen erfolgten, Karl nahm zum Vorwande, daß er durch diesen Gesang bei seiner Unpäßlichkeit sehr ergriffen werde und so brach der Wärter dieses Gespräch ab und entfernte sich.
Karl besserte sich immer mehr und die Zeit ging zu Ende, welche er im Spital zuzubringen hatte.
Er ging nun mit sich zu Rathe, ob es nicht besser sei, seinen Vater von seiner Ankunft erst in Kenntniß zu setzen; er überlegte, daß sein plötzliches Erscheinen im elterlichen Hause nach so vielen Jahren nachtheilig auf den alten Vater einwirken könne und so ließ er einen Brief von anderer Hand an seinen Vater abgehen, in welchem stand, daß sein Sohn Karl nach vielen erstandenen Mühseligkeiten auf der Rückkehr in seine Heimath begriffen sei und demnächst ankommen werde.
Dann ordnete Karl seine Sachen und bereitete sich vor, das Spital zu verlassen.
Vierzehntes Kapitel.
Karl und Margaretha.
Wenn Ihr Euch nicht scheut, sprach der Wärter zu Karl, allein bei einer Wahnsinnigen zu bleiben, so kann ich Euch jetzt dienen und Euch zu ihr einführen, ich kann mich aber nicht lange dabei aufhalten.