Laßt mich nur allein mit ihr, sagte Karl und der Wärter verließ das Zimmer.

Karl sah, daß ihn Margaretha nicht erkannte, er ging auf sie zu und faßte sie bei der Hand.

Margaretha zog schnell ihre Hand zurück, sah stier vor sich hin und rief: Herr Commissär lassen Sie mich!

Um Gotteswillen lassen Sie mich! Ich habe ja Alles einbekannt, ich weiß nicht, wo der Junge ist!

Karl traten die Thränen in die Augen, er fühlte das ganze Gewicht seiner Schuld und merkte wohl, daß er der Gegenstand von Margaretha's Aeusserung sei.

Furchtsam sah nun Margaretha auf Karl, blickte ihn lange unverwandt an und sank dann auf einen Lehnstuhl, indem sie die Augen wie zu einem Schlafe schloß.

Karl ging näher auf sie zu und betrachtete sie mit der größten Theilnahme und als nun Margaretha nach kurzer Zeit die Augen wieder aufschlug, da gewahrte Karl mit Freuden, daß ihr Blick freier und ihr Auge klarer war.

Ihr kennt mich nicht, sagte Karl, ich komme vom alten Kaufmann Daruff und soll euch Grüße von ihm ausrichten.

Danke Euch, sagte Margaretha, ach, ich habe diesem Manne, bei dem ich so lange in Diensten war und bei dem ich so viel Gutes genossen habe, herbe Stunden bereitet. Der liebe Gott soll es mir verzeihen, daß ich mich verführen ließ; ich habe ja dem Jungen alles Gute zugetraut, wer hätte denn denken sollen, daß es so kommen würde. Ich kann, so wahr Gott im Himmel ist! mit gutem Gewissen sagen, daß ich nur des Beste des Hauses Daruff im Sinne hatte. Nun ist der Junge fort und wer weiß, wo er elend zu Grunde gegangen ist!

Und sie fing an bitterlich zu weinen und hielt die Schürze vor das Gesicht.