Karl vermochte kaum aufrecht zu stehen, so ging ihm der Anblick der tief bekümmerten Margaretha zu Herzen.
Gebt Euch zufrieden, sagte Karl, ich kann Euch nur die beste Nachricht geben, Daruffs Sohn, Namens Karl, ist auf der Reise zu seinem Vater begriffen; er ist gesund, hat freilich viele Mühseligkeiten erstanden, aber das ist jetzt Alles vorüber.
Gott im Himmel! rief Margaretha und schlug die Arme über dem Kopfe zusammen, während sie vom Lehnstuhl herunter auf die Knie sank, großer Gott im Himmel! Da hast du ja mein Seufzen und Flehen vernommen! Du hast mein Ringen mit angesehen und hast dich einer Unglücklichen erbarmt!
Karl weinte, hob die Knieende auf und während ihm unaufhaltsam die Thränen hervorschossen sprach er mit bewegter Stimme.
Kennt ihr mich denn nicht mehr, meine gute Margaretha? haben mich denn die Jahre und die ausgestandenen Leiden so sehr entstellt, daß ihr euern Karl nicht mehr erkennt?
Starr sah ihm Margaretha in das Gesicht und mit einem lauten Schrei fiel sie in Karls Arme.
Wahrhaftig! wahrhaftig! schrie sie, mein Karl! ach mein Karl! Und sie lachte und weinte und sank dann wieder erschöpft in den Lehnstuhl.
Ach sagte Karl, gute Margaretha, was habe ich euch so vieles Leid geschaffen, könnt ihr mir denn verzeihen?
O Gott im Himmel ist gut! sprach Margaretha mit gegen Himmel gewandtem Blicke; er hat ja mir geholfen und hat mir meine Schuld verziehen, warum sollte ich nun meinem Karl einen Jugendfehler nicht vergessen können?
Ach, die arme Margaretha hat so oft an Euch gedacht und allezeit lief es mir ganz schauerlich durch alle Glieder, wenn ich der Besorgniß Raum gab, Ihr wäret durch meine Schuld und durch Euren Leichtsinn elend zu Grunde gegangen. Gepriesen sei der Herr! der da Alles zum Besten lenkte.