Und wie der alte Simon den Knaben Jesus zu sich nahm und Gott innigst dankte, daß er ihm diese Seligkeit vorbehalten hatte, so nahm nun der alte Daruff seine Enkel auf den Schooß und sprach: werdet gut und fromm und möge stets Gottes Beistand mit euch seyn, damit eure Eltern viele Freude an euch erleben und ihr selbst nur glücklich werdet!

Und nach diesen Worten glänzten ihm Thränen in den Augen, denn der Alte erinnerte sich seines Sohnes Karl.

Eine feierliche Stille trat ein.

Da pochte es an der Thür, sie ging auf und – Karl trat herein.

Aurelie erkannte ihn auf der Stelle, und ihr Ruf war: ach, Karl! du bist's, unser Karl!

Karl aber fiel dem alten Vater zu Füßen, weinte und wie der verlorne Sohn im Evangelium sprach er: Vater vergieb mir! Ich habe gefehlt wider Gott und wider Dich!

Und wie der Vater im Evangelium den verlornen Sohn aufnahm, so nahm auch der alte Daruff seinen Sohn Karl auf; er preßte ihn in die Arme und küßte ihn und sprach: o wie glücklich bin ich nun! Siebzig Jahre drücken dieses graue Haupt darnieder, siebzig Jahre gestattete mir der Himmel, um mir die Freude zu verleihen, meinen so lange verloren gegebenen Sohn wieder zu sehen. O mein Karl, was hast du deinem Vater zugefügt? Und – doch, doch, du bist wieder unter meinem Dache, wir wollen Gottes Güte preisen!

Und der Alte faltete andächtig die Hände.

Das Entgegenkommen zwischen Bruder und Schwester war rührend anzusehen, sprachlos lagen sie sich in den Armen.

Und als nun Aurelie ihren Bruder mit dem Gatten und den freundlichen Kindern bekannt machte, da näherte sich Karl denselben mit aller jener Anhänglichkeit, mit welcher er allezeit seiner Schwester zugethan war.