Ich weiß keinen Rath, begann Aurelie und ließ wehmüthig die Arme in den Schooß sinken.
Wenn ich nur gleich einen andern schönen Hund hätte, sprach Karl, so würde ich zum Herrn Forstmeister gehen, ihm solchen bringen und ihn recht inständig bitten, mir den schlimmen Streich zu verzeihen und kein Wort davon meinem Vater zu sagen. Aber wo einen Hund hernehmen?
Gehe so gleich hin zum Herrn Forstmeister, sagte Aurelie, bitte ihn um Verzeihung, vielleicht sieht er die Unbesonnenheit deiner Jugend nach; er ist ein sehr begüterter Mann, wer weiß, ob er nicht den Verlust mit Stillschweigen erträgt, wenn er deine Angst und Reue sieht. Ich aber will mich indessen nach Hause begeben und dich dort erwarten. Gebe Gott, daß die Sache zu deinem Besten sich wende!
Nun verließen die Geschwister den Garten, nachdem noch zuvor Karl den Schweif des Hundes nächst einem Baume vergraben hatte und während Aurelie mit bedrängtem Herzen der elterlichen Wohnung zugieng begab sich Karl nach dem Hause des Forstmeisters.
Eduard, der Sohn des Forstmeisters hatte bereits den Hergang der Verstümmlung des Hundes von einem der im Garten gegenwärtig gewesenen Knaben ausführlich vernommen und da der Hund sein Liebling war und ihm deshalb sehr zu Herzen ging, daß er nicht nur muthwilliger Weise so gequält, sondern auch noch verstümmelt wurde, so brach er beim Ansichtigwerden Karls in heftige Vorwürfe aus.
Du kommst gerade recht, rief er, mein Vater hat die Hundspeitsche schon zur Hand; es soll dich dein Leben lang gereuen, unsern Achill so gequält und am Ende noch verstümmelt zu haben! du bist schon als der größte Thierquäler allgemein bekannt, aber mein Vater wird dich zurecht weisen, daß es dir gewiß nie mehr einfallen wird, mit einem Hunde so zu spielen. Geh nur hinauf zu meinem Vater, der dich gehörig empfangen wird!
Durch diese Anrede verlor Karl vollends allen Muth. Er hätte so gerne die härteste Strafe erstanden, wäre es nur damit auch abgethan gewesen. Er machte sich lebhaft die beunruhigendsten Vorstellungen; erst sah er den Forstmeister mit der Hundspeitsche auf sich zukommen, dann sah er auch noch seinen Vater, wie ihn derselbe erbittert in Empfang nahm und ihm mit der größten Entrüstung die härtesten Strafen bereitete.
Er stand mehrere Augenblicke unschlüssig da, da fuhr ihm der Gedanke durch den Kopf, er könne ja allen diesen Unannehmlichkeiten durch die Flucht sich entziehen und sogleich war auch sein Vorsatz gefaßt.
Hat mir, sprach er zu sich selbst mein Vater neulich nicht erst gesagt, daß mich mein Onkel Heinrich zu London in's Comptoir zu nehmen gesonnen sei? Ich will mich zu ihm begeben und kehre ich dann nach Jahren heim in meine Heimath, so wird sicher die schlimme Geschichte mit dem Hunde vergessen seyn.
Und ohne noch einmal in das elterliche Haus zurück zu kehren machte er sich aus dem Städtchen und schlug seinen Weg nach Bremen ein.