Auf einmal sah Aurelie, wie ein schöner Hühnerhund, der durch die nur beigelehnte Gartenthür sich in den Garten geschlichen hatte, eine Katze auf den Blumenbeeten verfolgte; sie rief ihrem Bruder Karl zu, den fremden Hühnerhund doch aus dem Garten zu schaffen und kaum bemerkten dieser und seine Spielgenossen den Hund, so eilten sie herbei; einer der Knaben stellte sich an die Gartenthüre und während dieser einen so großen Spalt mit der Thüre bildete, daß ein Hund zur Noth durchkommen konnte, umgaben die übrigen Knaben den Hund von allen Seiten und suchten ihn aus dem Garten zu treiben.
Der Hund lief auch sogleich auf die Gartenthüre zu und da er sich nun durch den Spalt zu winden suchte, da gedachte der Knabe an der Thüre, das Thier wegen der Verwüstung, die es auf den Blumenbeeten angerichtet, ein wenig zu strafen und ihm einen wiederholten Besuch im Garten zu verleiden; er zwängte daher den Hund mit der Thüre so an den Pfoten, daß derselbe zu heulen anfing.
Recht so, recht so! rief Karl, nahm die Gartenscheere, welche nächst einem Zaune lag, lief damit nach dem Hunde, faßte schnell mit der Scheere dessen Schweif – einen Druck und der Schweif des Hundes lag vor der Gartenthüre, während des arme Thier mit Heulen sich davon machte.
Um Gotteswillen! rief Aurelie, Karl, was hast du gethan? Wie wird das gehen! Es war der Hund unsers Herrn Forstmeisters. Ach Karl! was hast du wieder in deiner Unbesonnenheit gethan? Karl stand bleich vor Schrecken da und die Gartenscheere entfiel seinen Händen.
Wahrhaftig, Schwester, betheuerte er, so war es nicht gemeint, ich wollte den Hund nur ein wenig kneifen.
Die übrigen Knaben erschracken auch sehr und einer verließ nach dem andern schnell den Garten.
Ach Himmel, sagte Aurelie, wie schwer, lieber Karl, machst du mir den Weg nach Hause; so unschuldig ich auch bin, so wage ich jetzt kaum das elterliche Haus zu betreten. Du weißt, wie streng der Vater ist, dieser Streich wird keine guten Früchte bringen!
Karl wurde durch diese Reden seiner Schwester immer verzagter.
Komm liebe Aurelie, sprach er, wir wollen uns dort in die Laube begeben und uns berathen, was zu thun ist.