Ich that es auch, Herr Lehrer, sprach Karl und bereue auch dieses.
Seht ihr, wandte sich jetzt der Lehrer an die übrigen Knaben, wie eine böse Handlung immer eine andere böse Handlung nach sich zieht? Erst zerstörte Karl das Vogelnest und tödtete grausam die nackten Jungen und verfehlte sich so gegen das Gebot, welches uns vorschreibt, auch menschlich gegen Thiere zu seyn, nach den Worten: »der Gerechte erbarmt sich auch seines Viehes;« dann begegnete er einem alten Manne mit beschimpfenden Aeußerungen und machte sich so eines weiteren Vergehens schuldig. Ihr seht, wer Ein Gebot nicht beachtet, der setzt sich auch über das andere hinweg.
Dann könnt ihr auch noch hieraus ersehen, wie verderblich der Hang zur Thierquälerei wird, und wie derjenige blind demselben fröhnt, der nicht frühzeitig sein Herz bewacht, und diesen Trieb zu ersticken sucht. Karl stieg nicht in der Absicht auf den Baum, um das Nest zu zerstören, er konnte nur dem Hange nicht widerstehen, da sich ihm eine so schöne Gelegenheit, Thiere zu quälen, ergab. Wie oft habe ich euch nicht schon gesagt, daß das Kind, welches eine Lust daran findet, Fliegen zu quälen durch das Abschneiden der Flügeln oder Herausreißen der Beine; wenn dieser Hang in ihm nicht getödtet wird, leicht als Knabe der Quäler größerer Thiere wird, und an die Stelle der Fliegen, Bienen und Käfer treten Katzen und Hunde. Wie die Kräfte des Thierquälers zunehmen, so nimmt auch sein Hang zur Thierquälerei zu und ach! wenn es dann noch bei den Thieren blieb. Ein solcher unglücklicher Mensch, dessen Gefühl für das Wohl und Weh der Thiere erstorben ist, dessen Herz ist auch für seine Mitmenschen verhärtet, und nur zu oft wird ein solcher eine Geißel der Menschheit. Deshalb prägt es euch heute fest in eure Herzen, wie gefährlich der Hang zur Thierquälerei wird, nehmt euch fest vor, nie ein Thier zu quälen und seht ihr, daß ein solches Vergehen von Anderen verübt wird, so tretet mit aller Festigkeit und mit allem Muthe auf und duldet solchen Frevel nicht! Erinnert euch des wackeren Holzhauers, handelt in ähnlichem Falle wie dieser und kümmert euch nichts um böse Reden, die ihr deßhalb vielleicht zu erleiden habt. Ihr werdet nicht nur den Lohn in euch selbst finden, denn jede gute That belohnt sich selbst, sondern ihr werdet auch die Achtung aller guten Menschen finden.
Weil du nun, Karl, wandte er sich wieder zu diesem, deine Vergehen reumüthig einbekannt, und eine Besserung versprochen hast, so will ich für diesesmal noch gelinde Strafe über dich verhängen und so werde ich heute den Tag über dich bei Wasser und Brod einsperren lassen, und von deinem Vergehen und dieser Strafe deinem Vater Nachricht geben. Nach erstandener Strafe aber begibst du dich unverzüglich zu jenem Holzhauer und bittest ihn um Verzeihung ob der ihm zugefügten Unbilde!
Mit diesen Worten des Lehrers wurden die Knaben entlassen, nachdem sie zuvor versprochen hatten, den wohlmeinenden Ermahnungen in allem getreulich nachzukommen.
Karl erstand seine Strafe und leistete nachher dem redlichen Holzhauer Abbitte, wie ihm befohlen war.
Drittes Kapitel.
Karl fällt in seinen Fehler zurück.
Der Kaufmann Daruff besaß vor dem Städtchen einen schönen, großen Garten, in welchem oft Karl mit seinen Spielgenossen die Erholungs-Stunden zubrachte.
An einem schönen Nachmittage befand sich nun Karl wieder mit seinen Gespielen in diesem Garten; er führte mit denselben allerlei Spiele auf und jugendlicher Frohsinn hatte sich ihrer in hohem Grade bemächtigt.
Auch Aurelie war im Garten und sah von Ferne, während sie sich zwischen den Blumenbeeten erging, dem lustigen Treiben der Knaben zu.