Sieh, Vater, das hat sich erst vorgestern zugetragen, ich aber erfuhr die Geschichte heute von meiner Freundin Julie.

So macht der Junge einen Streich nach dem andern; es ist mir in der That sehr lieb, daß sich mein Bruder in London desselben annehmen und ihn auf seinem Comptoir ausbilden will, entgegnete der Vater.

Während sich so Vater und Tochter besprachen, ging Karl der Schule zu. Der Lehrer schien ihm heute nicht besonders freundlich zu seyn.

Nach dem Schlusse des Unterrichts fragte der Lehrer zu Karl gewandt: sage mir, wer waren gestern deine Gesellschafter, als du auf der Wiese deinen Drachen steigen ließest?

Karl nannte sie dem Lehrer.

Ihr bleibt noch hier, sprach dieser, die Uebrigen können sich nach Hause begeben.

Und als sich nun Karl mit seiner gestrigen Gesellschaft dem Lehrer gegenüber befand, da schien ihm sein Gewissen schon zu sagen, worauf es jetzt an zu kommen habe.

Ist es wahr, fragte jetzt der Lehrer mit Ernst und Würde, daß du gestern ein Dohlen-Nest zerstört hast? Ja, daß du in deiner Grausamkeit sogar so weit gegangen bist, die nackten Vögel aus dem Neste zu schleudern?

Kaum hörbar und mit niedergeschlagenen Augen antwortete Karl: ich habe es gethan, Herr Lehrer, aber verzeihen Sie mir nur noch dießmal, ich will es gewiß nie mehr thun! Dann brach er in ein Schluchzen aus und fuhr fort: ich bin, Herr Lehrer, nicht in der Absicht, das Dohlen-Nest zu zerstören, auf den Baum gestiegen, ich wollte nur wieder zu meinem Drachen kommen und da ich nun des Nestes gewahr wurde, ergriff mich auch sogleich die Lust, dasselbe zu zerstören. Ich habe gefehlt Herr Lehrer, aber ich will mich eines solchen Fehlers gewiß nicht mehr schuldig machen, verzeihen Sie mir nur diesesmal noch.

Und als jener redliche Holzhauer, fuhr der Lehrer fort, dir deine grausame Handlung vorhielt, hast du ihm nicht mit Schimpfworten erwidert?