Meister, Geselle und Lehrling.
Wer soll Meister sein? Wer was ersann. Wer soll Geselle sein? Wer was kann. Wer soll Lehrling sein? Jedermann.
Joh. Wolfg. v. Goethe.
Rosen
Der Künstler und sein Sohn.
Der Meister saß in seiner Werkstätte und meißelte an einem Herkules. Da trat eines Tages sein Söhnlein zu ihm und fragte: „Vater, was machst du da?“ Der Vater antwortete: „Ich bildne einen Herkules.“ Und er erzählte ihm darauf, wie ein gar großer und gewaltiger Mann der gewesen, und wie er Löwen und Schlangen und Riesen erlegt, und noch viele andere wundersame Heldenstücke getan. Da sagte der Knabe: „Vater, ich will auch einen Herkules machen.“ — „Tue das, mein Kind!“ versetzte der Meister lächelnd. Und er gab demselben einen Klumpen Ton, aus dem jener den Herkules machen könnte. Nach einiger Zeit fragte der Vater: „Wie ist's mit dem Herkules?“ Der Knabe antwortete: „Es fügt sich nicht recht; ich will lieber einen Reiter machen.“ Der Vater nickte und sprach: „So mach' denn einen Reiter!“ Nach einer Weile stiller Arbeit rief der Knabe: „Vater, es geht mit dem Reiter auch nicht; ich will nur gleich einen Hanswurst machen.“ Und er knetete nun aus dem Ton zuerst einen großen Wanst; dann fügte er Hände und Füße daran und setzte zuletzt einen spitzen Hut drauf, unter dem ein Kopf stak mit einer großen Nase. So war denn der Hanswurst fertig. Das Söhnlein klatschte voll Freuden sich in die Hände; der Vater aber schüttelte den Kopf und dachte sich, — was sich jeder leicht denken kann.
Ludwig Aurbacher.
Zweig mit Pfirsichen
Die Pfirsiche.
Ein Landmann brachte aus der Stadt fünf Pfirsiche mit, die schönsten, die man sehen konnte. Seine Kinder aber sahen diese Frucht zum erstenmale. Deshalb wunderten und freuten sie sich sehr über die schönen Äpfel mit den rötlichen Backen und dem zarten Flaum. Darauf verteilte sie der Vater unter seine vier Knaben, und einen erhielt die Mutter.