Am Abend, als die Kinder in das Schlafkämmerlein gingen, fragte der Vater: „Nun, wie haben euch die schönen Äpfel geschmeckt?“ „Herrlich, lieber Vater!“ sagte der Älteste. „Es ist eine schöne Frucht, so säuerlich und so sanft von Geschmack. Ich habe mir den Stein sorgsam bewahrt und will mir daraus einen Baum erziehen.“ „Brav!“ sagte der Vater; „das heißt haushälterisch auch für die Zukunft gesorgt, wie es dem Landmanne geziemt!“

„Ich habe den meinigen sogleich aufgegessen,“ rief der Jüngste, „und den Stein fortgeworfen, und die Mutter hat mir die Hälfte von dem ihrigen gegeben. O! das schmeckte so süß und zerschmilzt einem im Munde.“ „Nun,“ sagte der Vater, „du hast zwar nicht sehr klug, aber doch natürlich und nach kindlicher Weise gehandelt. Für die Klugheit ist auch noch Raum genug im Leben.“

Da begann der zweite Sohn: „Ich habe den Stein, den der kleine Bruder fortwarf, aufgehoben und zerklopft. Es war ein Kern darin, der schmeckte so süß wie eine Nuß. Aber meinen Pfirsich habe ich verkauft und so viel Geld dafür erhalten, daß ich, wenn ich nach der Stadt komme, wohl zwölf dafür kaufen kann.“ Der Vater schüttelte den Kopf und sagte: „Klug ist das wohl, aber kindlich und natürlich war es nicht.“

„Und du Edmund?“ fragte der Vater. Unbefangen und offen antwortete Edmund: „Ich habe meinen Pfirsich dem Sohne unseres Nachbars, dem kranken Georg, der das Fieber hat, gebracht, er wollte ihn nicht nehmen. Da habe ich ihn auf sein Bett gelegt und bin hinweggegangen.“

„Nun!“ sagte der Vater, „wer hat denn wohl den besten Gebrauch von seinem Pfirsich gemacht?“ Da riefen sie alle drei: „Das hat Bruder Edmund getan!“ Edmund aber schwieg still. Und die Mutter umarmte ihn mit einer Träne im Auge.

A. Krummacher.

Getreide-Garben

Die treuen Brüder.

Zur Zeit der Ernte kamen zwei rüstige Jünglinge aus dem Gebirg herab in das ebene Land, wo es an Arbeitern fehlte und sagten zu einem Bauern: „Wir beide wollen euch die ganze Erntezeit hindurch helfen, euer Getreide hereinzubringen, wenn ihr uns die Kost und zehn Taler Lohn gebt!“

„Zehn Taler ist zu viel,“ sagte der Bauer; „ich meine, zehn Gulden[1] wären mehr als genug.“ „Nein,“ sagten die Jünglinge, „es müssen gerade zehn Taler sein, mit weniger ist uns nicht geholfen. Wollt ihr uns nicht so viel geben, so bieten wir unsere Dienste einem andern an.“