O Wunder! Selbst die Krystalle drängen sich wie Bruder und Schwester zusammen, sie suchen ihre Gespielen und auf manchem Stein stehen so viele, groß und klein, wie wenn sich am Sonntag die Dörfler auf dem Kirchhof zum stillen Plaudern sammeln.
Nur er war einsam.
Mitten in seinem Elend ahnte er aber, daß alles in der Welt zum Schönen drängt, daß auch der Mensch leiden und sich öffnen muß, wie der harte Fels, der Krystalle zeugt. Wie ein Fels wollte er werden, wenn er wieder einmal als ehrlicher Bursch unter den Menschen wäre, Krystalle guter Thaten zeugen, alles Rechte würde er thun, was Brauch und Sitte, was die Vorgesetzten forderten, selbst Dienste bei Bälzi.
Doch jetzt nicht ins Gefängnis, lieber sterben!
Der Winter naht! Seit die Fremden fort sind und er keine Mineralien mehr verkaufen kann, ist der Kaplan mürrisch gegen ihn, er bringt ihm das Essen unregelmäßig und oft zu wenig. Da weiß es Josi plötzlich: Er ist der Gefangene dieses halbverrückten und schlechten Mannes, Johannes hat ihn dort unter der Wetterlärche verführt, daß es keine Rettung mehr giebt. Und ein grimmiger Haß gegen den Kaplan zuckt auf in seiner Brust.
Er kann es auf den Alpen nicht mehr aushalten vor Kälte. Ein Ausweg! Fort von St. Peter, fort, wie der Bursch beim Kirchhoflied. Sterben macht nichts, nur nicht ehrlos eingesperrt werden. In der grauenden Frühe des Tages Allerheiligen läuft er, am Schmelzwerk vorbei, wo Kaplan Johannes haust, das Thal hinaus. »Lebe wohl, seliger Vater, — lebe wohl, selige Mutter, — und du, liebe Vroni, mit den schönen blauen Augen.«
Wie er nach Tremis kommt, tummeln sich schon Kinder auf der Straße, sie springen vor ihm schreiend davon: »Ein wilder Mann — ein wilder Mann!« Da fällt es ihm ein: Er kann nicht in die Welt, sein dunkles Haar hängt ihm in Strähnen über die Wangen, seine Kleider sind Fetzen, die Schuhe zerlöchert, als ein Landstreicher würde er aufgegriffen. Auf das Geschrei der Kinder streckt ein altes kropfiges Weib den Kopf aus dem Fenster, Susi aus dem Bären. Sie erkennt ihn und nun regt sich doch in ihr das Mitleid und die Neugier. Sie ruft ihn herein.
Sie hat schon von seinem Rebellentum gehört; indem sie ihm den Kaffee einschenkt, den er gierig trinkt, fragt sie ihn hundert Dinge.
»Ist es wahr, daß du mit Bini verhext und besprochen bist?«
Das behagliche Stübchen und der warme Trunk im Leib stimmen Josi ganz weich: »O, Susi, ich habe gewiß andere Sorgen — ich möchte wieder ein rechter Mensch werden. Seht, morgen ist Allerseelen, und ich bin so arm, daß ich für meinen seligen Vater und die selige Mutter nicht einmal zwei Kerzchen kaufen kann.«