»Was willst du? Ich habe nichts mit dir zu thun,« erwiderte er mit dunklem Groll.

»O, ich freue mich, daß du noch am Leben bist, Josi, gewiß freue ich mich.«

Das tönte so lieb, so hingebend, daß er nun doch aufhorchte. Er erhob sich und setzte sich in einiger Entfernung von Binia auf einen Stein.

Zu nahe bei ihr wollte er nicht sein. Wie war sie schön geworden in den paar Monaten, da er sie nicht gesehen! Wie ein Engel, dachte er. Die Röte der Hagrose prangte duftig auf ihren Wangen, die großen, dunklen Augen hatten die gleiche Lebhaftigkeit wie früher, und doch war noch etwas hinzugekommen, was früher nicht darin war. Etwas Sanftes, etwas unsäglich Liebes, Trauliches. Wie barmherzig sie ihn ansah. Sein letzter Trotz zerschmolz wie Schnee an der Sonne. Und alles, was Kaplan Johannes Häßliches gesagt hatte, war vor ihrer Reinheit und Schönheit aus seinem Gedächtnis entschwunden. Aber er schämte sich wegen seines Aussehens, er war ganz scheu.

Sie fanden den ungezwungenen Ton von ehemals nicht wieder. »Wie groß ist Josi geworden,« dachte Binia, »er ist ja beinahe ein junger Mann,« und beide sahen sich verlegen an.

»Wie geht es Vroni?« stotterte Josi.

»Ihr geht es gut. Hast du sie nicht am Sonntag hier vorbeireiten sehen?« fragte Binia. »Der Garde, die Gardin, Eusebi und Vroni sind zu einer Taufe nach Hospel geritten. Sie trug die Tracht, das Hütchen mit den langen Seidenbändern und ein buntes, seidenes Brusttuch, dazu Geschmeide wie eine Bauerntochter. Wie unsäglich glücklich wird sie sein, wenn sie hört, daß du lebst!«

»Wie eine Bauerntochter,« dachte Josi. Er aber war arm wie jener Lazarus, von dem einmal der Pfarrer gesprochen hatte.

»Was sprechen die Leute von mir. — Sagen sie, ich sei ein Halunke?« Er lächelte bitter.

Binia schwieg purpurrot.