[2] Stadel, schweizerdeutscher Ausdruck für Heuschuppen.
»Der Vater!«
Freundlich reichte ihnen der bärtige Wildheuer ein Glas voll Wein: »Ihr werdet wohl Durst haben!«
Vroni nippte nur, Josi aber nahm einen tapferen Schluck.
»Sagt der Mutter, es könne, bis ich heimkomme, etwas später werden, als ich gemeint habe, der Presi ist nach Hospel gegangen und ich muß ihn erwarten.«
So der Vater. Die Kinder verabschiedeten sich, schlugen einen Seitenweg ein, der durch Kartoffel- und Roggenäckerchen an den sonnigen Hang hinüberführt, wo die Maiensässen[3] und Alpweiden der Leute von St. Peter liegen.
[3] Maiensässen sind Berghäuser zwischen den Dörfern und den Alpweiden, sie bilden beim sommerlichen Zug der Sennen und des Viehs auf die Hochweiden den Zwischenaufenthalt, wo gewöhnlich im Mai mehrere Wochen geruht wird.
Da stand unter einem Felsblock ihr kleines Haus, auf dessen steinbeschwerten Schindeln eine große Steinbrech blühte, jene Blume, von der die Sage der Aelpler behauptet, daß sie nur auf den Dächern wachse, unter denen der Friede wohne. Freundlich schauten die kleinen Fenster, vor denen Stöcke roter Geranien prangten, gegen das Dorf.
»Ja, die Wildheuerfränzi versteht sich auf Blumen.« So sprach man im Dorf. »Blumen und Geschichten sind ihr Sonnenschein.«
Erschöpft ließ Vroni die Kraxe auf die Bank vor dem Felsblock sinken, auch Josi stellte die seine mit einem Ausruf der Erleichterung ab.