»O Josi,« versetzt sie, »es ist schwer, dieses Mannes Schwester zu sein — — und in den alten Sagen steht auch, es müsse eine Jungfrau über dem Werke sterben.«

Er zuckt heftig zusammen, er schlingt den Arm um die Hüfte Vronis. »Ich weiß nur, daß ich mein Gelübde erfüllen muß,« sagt er ernst, »es ist für Binia, dafür, daß sie rein und treu geblieben ist. Und wenn es sein muß, sterben wir beide für das Werk, aber gewiß nicht eines allein.«

Da sieht Vroni das grüne Feld nicht mehr, durch das Peter Thugi, der vom Los Getroffene, mit seinen Kleinen kommt. Er spricht zu ihnen: »Seht, das ist der Mann, der euren Vater retten wird;« er wendet sich zu den Geschwistern: »O Josi — könnte ich es dir einmal danken, was du an diesen Kleinen thun willst.«

»Siehst du, Vroni,« sagt Josi bewegt, »und ich kann nicht glauben, daß ein Segen zuletzt in einem Unglück endet. — Wenn es aber wäre — so thue ich doch, was ich muß.«


XVIII.

Der Presi sitzt im Bären auf seinem Zimmer, aber es ist nicht der Presi, der das Zünglein der Wage wie schon oft in der Gemeindeversammlung mit hinreißendem Wort geschwenkt hat, er ist ein alter gebrochener Mann. »Seppi Blatter — Fränzi,« stöhnt er, »seid ihr jetzt mit mir zufrieden? — Ob das Herz entzwei kracht, ich habe mich gewendet — ich habe für euern Josi geredet — ich will noch mehr thun, ich will ihm zu seinem Werk helfen — ich will Frieden — Frieden — mit euch und eurem Sohne Josi — den ich geschlagen habe — den ich achte und liebe.«

Seit er den jungen Mann gesehen hat, wie er sich in Bescheidenheit erhob, wie er mutig und mutiger redete, faßt er es nicht mehr, wie er Josi Blatter jemals hat gram sein können. Sein Plan ist groß. Wie er ist noch keiner im Bergland aufgestanden. Josi und Binia! Wenn's sein könnte — aber — — er brütet wieder.

Da schwankt Binia zu ihm herein, blaß, müd und auf den schmalen Wänglein doch einen Schimmer des Glücks.