O, sie ist rührend schön, die blasse Binia.
Sie nimmt die Hand des Vaters in ihre Händchen: »Vater, ich danke dir, daß du für Josi eingestanden bist.« Ein schmerzliches Lächeln geht über ihr bleiches Antlitz.
»Du liebst ihn noch, Vogel, Herzensvogel — gelt, ich kann für dich — und für Josi Blatter viel thun.« Sein Haupt zittert, sie sinkt vor ihm nieder — er streichelt ihren Scheitel: »Kind — ich möchte Frieden machen. — Bini — ich möchte noch einmal glücklich sein — und wenn es nur ein Jährchen wäre. — Bini, ich wollte, deine Mutter lebte noch. Beth, mein guter Engel. — Ich wäre mit ihr nicht so weit gekommen und das Hintersichkrebsen wäre nicht so schwer. — Josi Blatter ist ein Mann wie ein Held — ich will für ihn kämpfen. Wenn mich die von St. Peter schon nicht in die Abordnung gewählt haben, so gehe ich doch für ihn in die Stadt, und ob das Dorf mich haßt, so bin ich vor der Regierung noch der Presi von St. Peter. — Soll ich gehen, Kind?«
»Ja, Vater, ja.«
Herzzerbrechend weint die knieende Binia.
»Bini — Gemslein,« hebt der Presi wieder an, »ich kann deine blassen Wangen nicht mehr sehen — sie töten mich — Bini, bekomme rote Wänglein — laß die Geschichte von Thöni nur erst still werden — dann nimm in Gottes Namen Josi — ich habe ihn lieb — und lache wieder einmal mit deinem glücklichen Kinderlachen.«
Binia zuckt und windet sich in Qualen des Glücks — und des Elends. Wahnsinnig küßt sie die Hände des Vaters und dann schaut sie ihn an so rührend, so hoffnungslos. Und ihr Stimmchen bebt wundersam: »Vater, es ist zum Kinderlachen zu spät!«
Da wird er in gräßlicher Angst plötzlich wieder der alte, böse Presi. Er zischt sie an: »Zu spät — Bini, du hast wohl können so eine Komödie machen, bis du dich zu Thöni gefunden hast. Du bist ja doch zu weit mit ihm gekommen.«
»Nein —. Vater — nein!« Es tönt wie ein zersprungenes Glöcklein.
»Warum bist du denn so blaß — so hinfällig? — Ich habe es ja selber gesehen, wie du aus seiner Kammer gekommen bist.«