»Ich kann nicht selig werden, es sei denn, ich wisse meine Bini mit Josi glücklich und daß er unschuldig ist. Nur kein Fluch von mir in ein folgendes Geschlecht. — Seppi Blatter — Fränzi — macht es mir nicht zu streng.«
Der Garde hält die Hand des Bebenden, selbst ein unglücklicher Mann, fühlt er verzehrendes Mitleid mit ihm und tröstet: »O Presi — es leben allerdings mächtige Wahrheiten in den alten Sagen, in Träumen wohnt tiefer Sinn, aber glaubt, eine Vatertreue, wie die Eure, vermag die verhängten Schicksale zu brechen. Es wird Euch vor Gott groß angesehen sein, daß Ihr Euer Kind in dem Augenblick, wo Ihr seiner bedurftet, dahin ziehen ließet, wo seine Sicherheit und sein Glück liegen, — daß Ihr die Folgen einer unglücklichen Stunde vor dem erregten Volk selber tragen wolltet, — daß Ihr Eure letzte Kraft dahin wandtet, wo Ihr glaubtet, Eure Kinder hätten Eures Schutzes nötig. Presi, gebt die Hoffnung nicht auf.«
So tröstet der treue Freund feierlich und unablässig und zitternd horcht der Presi.
Der Garde, der es spürt, wie das Leben seines Freundes schwinden will, sagt: »Ihr habt mehr gethan — um sie zu retten, habt Ihr das Haus, das Euch lieb war wie Euer Leben, in Brand gesteckt. Bekennt es nur!«
Aber der Sterbende verzerrt sein Gesicht und knirscht.
Mit tiefem Kummer sieht es der Garde: Sein Freund ist noch der alte Presi. Er würde, wenn er seine Kinder nicht mehr sähe, mit einem schrecklichen Geheimnis ins Grab steigen und auf St. Peter den Verdacht der Brandstiftung ruhen lassen.
»Bekennt Ihr,« fragt der Garde, »wenn Josi und Binia unversehrt durch diese Thüre treten?«
Da schluchzt der Presi, aber er schweigt.
»Josi und Binia sind unschuldig — es kann ihnen nichts geschehen — jetzt nicht und vor Gericht nicht — ich werde mit ihnen kämpfen — sie müssen glücklich werden, die so viel gelitten haben!«
So mahnt und tröstet der Garde, und aus seiner vollen Brust strömt der Glaube in die Brust des Presi über, ergebungs- und hoffnungsvoll erwartet er, während seine Pulse schon schwächer und schwächer gehen, die Botschaft von den Weißen Brettern.