Ehe er weiß, wie es sich an den heligen Wassern entschieden hat, kann er nicht sterben.
XXI.
»Zu Josi!« Durch die letzten Bergastern, durch die öden herbstfalben Weiden schwankt Binia langsam empor — empor — sie folgt, ohne daß sie es weiß, dem Weg, den sie mit dem Vater gegangen ist. Oft steht sie still, dann greift ihr Fuß, indem sie flüstert: »Zu Josi!« wieder mechanisch aus. Dann blickt sie wieder zurück in die Nebel: »Vater — Vater!« Die Kindesliebe zieht sie zurück. Doch sie geht wieder vorwärts. Alle ihre Regungen sind aber fast nur Traum und die Stimmen sonniger Vergangenheit reden lauter in ihr als die Gegenwart.
Zu viel hat sie gelitten und leidet sie noch. Da erreicht sie die Stelle, wo die heligen Wasser vom Geröll auf die Weißen Bretter übergehen. Ein seltsamer Gedanke kommt ihr: In ihrem Schutz kann mir und Josi nichts geschehen! — Aber die alte Sage — sie bebt. Wird sie für Josis Werk sterben müssen?
Sie wandelt durch den Felsengang, da glänzt tief im Hintergrund ein Licht.
»Josi!« Er meißelt am Boden hingekniet und sieht sie nicht. »Josi!« schreit sie.
Er fährt auf und läßt den Hammer fallen. »Bini!« Er umarmt sie. Im flackernden Grubenlicht sieht er nicht, wie bleich sie ist.
»Bini — dich hat in dieser Stunde Gott zu mir geführt. Engel — du kommst, um mein Werk zu segnen — die Leitung vollendet sich. — Schau! — Durch dieses Bohrloch blitzt von drüben schon der Tag.«