»Du süßer, lieber Vogel, so böse Dinge klopfen in deinem Herzchen.«
Fränzi hatte genug zu thun, um ein klein wenig Ordnung in die verwirrte Kinderseele zu bringen. Sie löste Binia alle Fragen auf, nur eine konnte sie ihr nicht lösen: Wie es möglich ist, daß ein Kind Vater und Mutter gleich heiß liebt, daß der Vater die Mutter aber nicht gut leiden mag.
»Ihr seid sicher, daß dem Vater die Hand nicht aus dem Grabe wachsen wird, wie der wüste Kaplan gesagt hat?«
Feierlich nahm Fränzi die Hand des Kindes und ihre Augen begegneten dem dunklen Sternenpaar Binias: »Ja. Nicht die böse Unterschrift hat meinen seligen Seppi an die Weißen Bretter geführt, als ein Freiwilliger ist er gegangen. Es hat sich alles gewandt und dein Vater ist unschuldig an seinem Tod.«
Binia dankte mit einem innigen Aufleuchten des Blicks: »Es ist kein Unsegen auf mir?«
»Deine selige Mutter wacht vom Himmel über dir und jede Nacht bin auch ich in Gedanken bei dir.«
Da küßte Binia die arbeitsharten Hände der mütterlichen Trösterin mit brennendem Mund.
Noch hatte das neugierige Kind viele Fragen, die Antwort forderten.
»Ihr denkt, der Vater habe mich doch lieb? — O, Fränzi, wenn Ihr wüßtet, wie ich ihn liebe.«
»Natürlich, du kleine Ungläubige — jeder Vater hat in seinem Herzen ein Plätzchen für sein Kind, und wenn es zu tiefinnerst versteckt wäre! Sei liebevoll und demütig gegen den Vater; auf Kindern, die gegen ihre Eltern ehrfürchtig sind, steht die Verheißung, daß es ihnen wohl ergehe.«