Sie sah, wie der Vater höhnisch die Schulter zuckte. — Am Abend betete sie: »O Mutter — Mutter — sage ihm doch einmal im Traum, wie heiß ihn mein Herzchen liebt.«

Es lag Segen auf ihrem glühenden Wunsch. Nicht von heute auf morgen, aber von Sommer zu Sommer.

Binia wuchs und blühte auf, die Fremden hatten die helle Freude an der feinen klugen Vierzehn-, dann Fünfzehnjährigen.

Wie schön war das Leben! Sie hörte es gerne, wenn die Gäste über allerlei plauderten und urteilten. Wie weit und groß mußte die Welt über Hospel hinaus sein. Sie wunderte sich manchmal, wie artig die vornehmen und gescheiten Leute zu ihr waren, besonders junge Mädchen, die nach St. Peter kamen und ihr so lieb wurden, daß ihr das Wasser in die Augen schoß, wenn sie am Ende des Sommers wieder weggingen. Was aber schwatzten die klugen Männer Thörichtes zusammen. »Sie alpige Rose[26], Sie sonderbares Herzensmädchen mit dem leichten, schwebenden Gang, haben Sie eigentlich Ihre Augen grad in der Hölle und Ihr Lächeln im Himmel geholt?«

[26] Alpige Rose, eine Art Heckenrose, die in den Bergthälern wächst.

Binia fühlte es aber wohl: Wie die Gäste so freundlich zu ihr wurden, wandte sich ihr auch die Liebe des Vaters in neuer Wärme zu und er wurde heimlich stolz auf sie.

Er kniff sie manchmal in die Wange: »Bini, fröhlicher Vogel, hast du mich lieb?«

»O Vater!« — Stirn und Wangen glühten wie Pfirsiche, ein heiliger Strahl des Glücks kam aus ihren dunklen Sternen und ihre schlanken Arme umklammerten ihn, bis er mit herzgewinnendem Lächeln und glänzenden Augen sagte: »Geh, thue deine Arbeit! Bist ein Mädchen wie von den Tauben zusammengetragen.«

Jetzt hätte sie es ihm schon verraten können, daß er über Josi ganz falsch berichtet sei. Eine dunkle Gewalt hielt sie indessen zurück, die Furcht, daß sie, sobald sie den Namen des guten Jungen ausspreche, die Liebe des Vaters wieder verscherze. Er war so furchtbar heftig. Und mit angstvollem Herzen schwieg sie, die Zeit der Verstimmung war zu schmerzlich gewesen.

Sie verwunderte sich, als der Garde einmal mitten in der Fremdenzeit in den Bären gestoffelt kam, ernst und zornig, wie ihr schien.