Allein es fehlt in den Dörfern des Friauls auch nicht an hübschen Bauten, oft sogar sieht man freundliche Villen, und ein besseres Bauernhaus, etwa dasjenige eines Verwalters, gewährt mit seinem hübsch verzierten Portal, mit der Zysterne des Hofes, über die sich eine schmiedeiserne Krone spannt, mit den feierlichen Zypressen oder einer gewaltigen Linde, die den Hofraum beschattet, einen echt südlichen und wohltuenden Eindruck.

Entgegen der ersten Vermutung, der man beim Anblick der vielen halbzerfallenen Hütten Raum gewährt, sind die furlanischen Ortschaften sehr dicht bewohnt; zehn bis fünfzehn Personen sind unter dem gleichen Hüttendach nicht selten. So zählt Monfalcone 4800 Einwohner; es hat indes kaum mehr Häuser als ein schweizerisches Dorf von der halben Bevölkerungszahl.

Der furlanisch-italienische Volksschlag tritt im allgemeinen vor demjenigen von Venedig an Schönheit und natürlicher Grazie zurück; denn wenn der Furlaner auch einen Dialekt spricht, der sich noch mehr dem Lateinischen nähert, als das Italienische selber, so rollt das italienische Blut doch nicht mehr so rein durch seine Adern, sondern ist mit slavischem und deutschem versetzt.

Nur der flache Strand ist italienisch, und schon an den ersten Vorflügeln des Karsts erstirbt der melodiöse Laut des Südens in der konsonantenreichen windischen Sprache; das Volkselement der Italiener weicht dem gelassenen, wie von einer Art Schwermut durchzitterten slavischen Wesen.

Der Gegensatz der italienischen und slovenischen Furlaner ist ebenso groß wie derjenige zwischen Romanen und Germanen, wenigstens hier, wo die Armut nicht das Leben ganz verkümmert, südliche Lebensfülle und südliche Lust, glutäugige, braune Mädchen, dort ein stummer Duldermut, ein tiefer fatalistischer Zug, blaßwangige Mädchen mit schlichtem Haar und wasserblauen Augen.

Arm, wie der zerrissene Felsboden, den es bewohnt, ist auch das slovenische Volk. Wenn ein Fremder in ein solches Karstdörfchen kommt, dann springen aus allen Häusern die Kinder daher. Die halbzerlumpten, bleichen Gestalten werfen sich knielings in den Straßenstaub und bitten, die Arme über die Brust gekreuzt, mit den kläglichsten Gebärden um eine Gabe. Wirft man ihnen einige Kreuzerstücke zu, dann purzeln alle in den Staub, lüften ihre Mützen und werfen dem Spender unter beständigen Segenswünschen ihre Handküsse nach, bis er verschwindet.

Nur der materielle Notstand des slavischen Colono läßt das Bild begreifen. Noch größer als dieser ist der geistige, denn ich habe es aus guter Quelle, daß in einigen dieser Karstdörfer selbst die Bürgermeister nicht schreiben können.

Wenn man auf der Rocca von Monfalcone steht, sieht man hinein ins windische Land, Bühel an Bühel, unregelmäßig ohne bestimmte Richtung, grau und nackt, nur in den Frühlingswochen mit einem schwachen Flor sprießender Gräser überhaucht, sonst dürrer als eine Heide, eine Felsenwüste.

Das ist der Karst. Wandert man von der Rocca über die Karren des Burghügels hinab, so kommt man an den kleinen See von Pietra rosa in einem einsamen Tälchen. Das Ried, das ihn umkränzt, ist das einzige Grün in dieser Steinwildnis.