Sie wollte ihm trotzig antworten. Statt dessen versetzte sie demütig: »Sei mir nicht bös, Uli, ich wünsche dir ja doch für deine Wanderschaft und dein gesamtes Leben das allerschönste Glück!« Fast wären ihr die Tränen wieder hervorgebrochen. Sie entzog ihm die zuckende Hand und schlüpfte in die Türe.
Er ging langsam zu den andern Burschen am Rhein zurück und half ihnen beim Laternenschein die Boote von den Wagen laden. Nun war die letzte Arbeit des Tages getan, und er wollte für die Reise Abschied von den Freunden nehmen.
»Ich fahre morgen noch nach Zürich, um das Wanderbuch zu holen, und am Dienstag früh geht's in die weite Welt. Also lebt wohl!«
»Nein,« erwiderten die andern, »am Dienstag früh um fünf Uhr wollen wir uns hier beim Brückeneingang sammeln. Wir singen dir noch ein paar Lieder, damit das Städtchen merkt, daß ein Rechter von dannen geht, und nachher geben wir dir das Geleit – jeder, soweit er kann und mag.«
Er hätte gern darauf verzichtet.
Als er heimwärts schritt, war er froh, daß in der Stube der Eltern kein Licht mehr brannte. Am liebsten hätte er den Ring der Jungmannschaft vom Finger gezogen und in den Rhein geworfen, damit ihn kein Andenken an den heutigen Tag erinnere. Er erschrak aber über den treulosen Gedanken.
Wie kam ihm nun das Wandern recht! Draußen in der Fremde würde er sich die Liebe zu Nick von selber aus dem Kopf schlagen und die Schmach vergessen, die sie ihm durch ihre Weigerung angetan hatte.