Da wich das Blut aus ihren roten Lippen, sie warf den Kopf zurück und versetzte stolz: »Auf diese Beleidigung erst recht Nein. Daß du's nur weißt, Ulrich, ich habe mein Herz schon vergeben!« Härter, als sie wollte, fiel das Wort.

Er taumelte ein paar Schritte, schlug die Arme über die Brust ineinander und schaute todesfinster vor sich hin. Sie setzte sich auf einen Baumstamm und weinte in die Hände hinein. Nach einer Weile der Stille fragte er sanft und traurig: »Nick, ist es dein letztes Wort?«

»Ja,« stöhnte sie.

Sie stand auf und schlug aus eigenem Antrieb den Rückweg ein, zitternden Fußes, Tränen auf den Wangen, das Herz voll Leid. Er folgte ihr in einiger Entfernung. Vor der Brücke wartete sie auf ihn. Der alte Zollwächter sah ihnen kopfschüttelnd nach.

Die Gesellschaft in der Krone tanzte noch. Nick und Ulrich gaben sich große Mühe, den Riß, der zwischen ihnen entstanden war, zu verdecken, aber die Worte, die sie miteinander wechselten, klangen kalt und erzwungen. Beim Abendbrot hielt Ulrich sogar eine Rede. Er war sonst ein guter Sprecher, doch jetzt waren ihm alle die schönen Gedanken, die er gefaßt hatte, entschwunden; seelenlos und stockend sprach er über dies und das, schloß mit einer plötzlichen Wendung und setzte sich.

Kopfschüttelnd machten die Burschen ihre Bemerkungen. Er aber wußte am besten, daß er die Gesellschaft enttäuscht hatte. Einige gerieten auf den guten Einfall, das Lied anzustimmen: »Wohlauf noch getrunken, den feurigen Wein!« Er sang es trotzig mit.

So kam der Aufbruch, die nicht allzulange Wagenfahrt nach dem Heimatstädtchen. Das entzweite Paar war froh, daß die Gesellschaft Sang um Sang in die blaue Frühlingsdämmerung steigen ließ. Nick hüllte sich in ihren Mantel, nicht nur vor dem kühlen Wind, sondern ebensosehr aus dem Wunsche, möglichst wenigen Blicken zu begegnen.

Die meisten der jungen Leute hatten für sich zu tun. Die vom Tanz ermüdeten Mädchen lehnten sich an die Schulter oder Brust ihrer Partner, viel Liebesgeflüster erwachte unter den Sternen der klaren Nacht. Nick aber blieb stumm, und Ulrich atmete erleichtert auf, als das Städtchen seine schüchternen Lichtstrahlen im Rhein spiegelte, die Fuhrwerke die steile Straße gegen die Brücke hinunterfuhren und der Verein der Heimat zum Gruße das letzte Lied sang. Drüben hielten die Wagen, und er begleitete Nick bis zur Türe des Pfarrhauses. Da kam der Abschied. Die Hand des einen zitterte in der des andern.

»Ich will nicht fragen, wer dein Auserwählter ist,« stieß er bitter hervor. »Aber gewiß ist keiner auf der Welt, der es mit dir so gut meint wie ich.«