Der Leuchtthurm sendet uns erst weisses Licht, als wir näher kommen, rothes. Die Strasse sieht wie vollständig abgesperrt aus. Wir winden uns durch, erblicken die Stadt Shimonosecki und auf beiden Ufern mächtige Kohlenlager; dann müssen wir weit hinaus in’s japanische Meer, um nach Süden umbiegend Abends Nagasaki an der Westküste der Insel Kiushiu zu erreichen.

Logbericht Kobe-Nagasaki:
1. Tag (10. Okt. bis Mittag) 23 Meilen 2 Std. 1 Min.
2. (11. Okt. bis Mittag) 287 24
3. (11. Okt. Nachmittag) 81 8
Reisedauer (reducirt) 1 Tag 8 Stunden 49 Minuten.

In dem schönen geräumigen Hafen von Nagasaki werfen wir Anker, angesichts der erleuchteten Stadt, die wir aber, da es regnet, heute nicht mehr besuchen.

An Bord kommt, mit Tochter und kleinem Enkelchen, ein alter, australischer Schiffscapitän, der durch Schiffbruch seine ganze Habe verloren und nun von seinem Consul nach Hause geschickt wird; ferner ein norwegischer Capitän, der zwischen Wladiwostock und Sachalin gefahren war und Strafgefangene befördert hatte, bis ihm die Russen schliesslich sein Schiff abkauften. Er erzählt Schauergeschichten von Wladiwostok.

Am folgenden Tage ist das Wetter besser, wiewohl noch nicht gut. Jetzt sieht man den prachtvollen Hafen von Nagasaki, der drei englische Meilen lang, birnförmig gestaltet, durch vorliegende Inseln (darunter den berüchtigten „Papenberg“) vortrefflich geschützt, und dabei Schiffen jeden Tiefgangs zugänglich, den Eindruck eines abgeschlossenen Binnensee’s macht. In der That ist der Eingang zu dem Hafen nur ¼ Meile breit. Der Güte des Hafens entsprach allerdings zur Zeit nicht die Zahl der Schiffe. Es fehlt das Hinterland. Nagasaki ist von Yokohama und Kobe weit überflügelt worden.[235]

Dabei hat dieser westlichste Punkt des japanischen Inselreiches die längste Geschichte des Verkehrs mit den Fremden.

Das kleine Fischerdorf Nagai-saki (langes Vorgebirge) gelangte zu grösserer Bedeutung, als der Fürst von Omura um die Mitte des 16. Jahrhunderts den Nam-ban oder südlichen Barbaren, so hiessen damals bei den Japanern die Portugiesen, gestattete, hier sich niederzulassen und Handel zu treiben, was ihm selbst und seinen Unterthanen grossen Gewinn abwarf. In Nagasaki, das so weit von der Hauptstadt Yedo (Tokyo) entfernt war, konnten christliche Kaufleute und Missionäre ihre Thätigkeit entfalten. Nach der Vertreibung der Portugiesen wurde Nagasaki 1646 den Chinesen und Holländern als einziger Handelshafen zugewiesen.

Hier haben die Holländer auf der kleinen, abgesperrten und bewachten Halbinsel Deshima[236] über 200 Jahre lang in unrühmlicher Gefangenschaft und Selbsterniedrigung,[237] um des schnöden Gewinnstes willen, zugebracht und mussten sich noch dazu gefallen lassen, dass die japanische Regierung die Preise bestimmte. Schon Kämpfer sagt 1690–1692: „Unser güldenes Fliess verwandelt sich in ein gemeines Fell.“ Während die Holländer 1611–1641 Gold, Silber, Kupfer und Kampher im Werthe von 306 Millionen Mark mit 90–95 Procent Gewinn ausgeführt hatten, sank danach die Ausfuhr an Menge erheblich und der Gewinn auf 40–45 Procent. Kupfer, Kampher, Lackwaaren, Porzellan blieben die hauptsächlichen Ausfuhrgegenstände. Um die Mitte unseres Jahrhunderts hatte das Handelsvorrecht der Holländer wesentlich an Werth eingebüsst. Durch den Vertrag von Kanagawa (1854) mit den Vereinigten Staaten von Nord-Amerika und die darauf folgenden mit den europäischen Mächten wurde es vernichtet. Aber Nagasaki wurde mit unter die Vertragshäfen aufgenommen. Sein Handel ist wieder im Ansteigen.

1888 liefen ein: