Am Morgen des 3. November erblickte ich bei leichtem Regen aus nicht so grosser Entfernung eine Wasserhose: ganz deutlich senkte sich aus einer Wolke ein Trichter mit unterer Spitze und mit schräger Achse nach abwärts, ohne den aus dem Wasser mit oberer Spitze emporstrebenden Trichter zu erreichen.

Ich mass Vormittags +28° C., Abends nach Sonnenuntergang +26½° C. Die Temperatur ist auf dem Meere viel gleichförmiger als auf dem Festland, da das Wasser weit langsamer sich erwärmt und abkühlt.

Am 5. November fand ich Nachmittags 4h +28° C., um 5½h +27¾°. Am 6. November, nach etwas kühlerer Nacht, so dass ich gegen Morgen die sonst offen stehende Cajütenthür schloss, Morgens 7h +27° C., um 9h +28°, um 1h +29°, um 4½h +29° C. Am 7. November Mittags, wo es nach dem Gefühl sehr warm zu sein schien, +29° C. (= 23° R). Am 8. November Morgens 7½h +26½°, nach ¼ Stunde dasselbe. Also von Sonnen-Aufgang bis Untergang 26 bis 29° C.

In Oberägypten hatte mir die Messung ganz andere Ergebnisse geliefert. Ich fand im Februar, auf der Nilfahrt, Morgens vor Sonnenaufgang etwa +12° C., nach Sonnenaufgang kommt von Viertelstunde zu Viertelstunde ein Grad dazu, bis Mittags +30° erreicht werden; Nachmittags selbst 33 bis 34° C.; bei Sonnenuntergang bestehen noch +30°, und Abends um 9h noch +22°. Als ich in der Gegend von Assuan (dicht am nördlichen Wendekreis) Nachts um 3h aufstand, um das Kreuz des Südens zu beobachten, fand ich +21½°. Erst Morgens gegen 5h wurde es kühler, so dass ich die Cajütenthüre schloss.

Merkwürdig war der Sonnenuntergang am 3. November. Wolken deckten theilweise den westlichen Horizont, während es im Osten regnete. Die beiden unteren Theile eines Regenbogens wurden sichtbar, zum Theil noch durch strichförmige, dunkle Wolken verdeckt. Den oberen grösseren Theil der Halbkreisfläche des Regenbogens nahm eine dicke, weisse Wolke ein. Ungefähr vom Ostpunkt stieg nach Südosten eine fächerförmige Lichtstrahlung am Himmel empor, offenbar der Wiederschein des Zodiakallichtes. Die Gegend des Westpunktes schimmert roth auf blassgrünem Grunde, soweit nicht Wolken den Hintergrund decken. Die weissen Wolken im Westen werden jetzt von Purpur durchglüht. Sofort wird diese Erscheinung im glatten Ocean gespiegelt. Aber das dauert nur wenige Minuten. Dann erscheint der Vollmond in starkem Glanze.

Am Abend ankern wir auf der offenen Rhede von Georgetown, an der Ostseite der Insel Penang[290] (5° 52′ N., 100° 19′ O.), in dem 2 Meilen breiten Canal, der die Insel von der Halbinsel Malakka scheidet.

Reisende gehen, so mein siamesischer Cajütgenosse; andre Reisende kommen in kleinen Booten, ein französischer Pater, ein junger englischer Arzt, der in Penang ein gutes Feld der Thätigkeit gefunden und nun nach Colombo fährt, um seine Braut, die dorthin mit der Mutter aus England gekommen, zu begrüssen und zu — heirathen. Den Versuch, mir sofort einen neuen Cajütgenossen zu geben, schlug ich siegreich zurück, erst mit Güte und dann, als dieses nicht half, mit Grobheit. Als ältester Reisender des Dampfers, der noch dazu die ganze Fahrt machte, glaubte ich dieses Vorrecht zu verdienen.

Der Abend ist unbeschreiblich schön; der Himmel zwar bewölkt, aber hoch oben leuchtet der Mond mit voller Klarheit und der Abendstern. Von dem Hafen glitzern die Lichter am Ufer und die festen der verankerten Schiffe sowie die beweglichen der kleinen Fährboote. Das Meer leuchtete, wie ich es noch nie gesehen. Sowie ein Ruder in’s Wasser getaucht wird, sprüht es auf mit mildem, bläulichem Silberglanz; derselbe Schimmer umgiebt den Bug des Kahns. Das Meer ist wie ein Spiegel, die Luft lau und lind. Dazu kommen und gehen alle die fremdartigen asiatischen Schiffer und Arbeiter.

„Mondbeglänzte Zaubernacht,