Das Klima ist gesund, aber sehr heiss. (26–27° C. im Schatten, innerhalb der Häuser). Die Hitze des Tages wird durch den Seewind und häufige Regenschauer etwas gemildert, die Nächte sind ein wenig kühler. Die Stadt liegt nur 144 Kilometer nördlich vom Aequator; deshalb geht die Sonne das ganze Jahr hindurch ungefähr um 6 Uhr Morgens auf, um 6 Uhr Abends unter.

Singapore ist seit der Gründung (1819) Freihafen, der Handel der Strait-Settlements beträgt jährlich 26 Millionen Pfund Sterling (Einfuhr 1892 an 92 Millionen Dollar, Ausfuhr 75); ausgeführt werden hauptsächlich Zinn, Guttapercha, Catechu, Pfeffer, Zucker, Muskatnüsse, Tapioca (Sago, Stärkemehl aus Wurzeln von Manihot utilissima). Der Hafen von Singapore ist zu jeder Zeit sicher, da Taifun hier nie beobachtet wird, und deshalb Kreuzungspunkt des europäischen Handels nach Ostasien und Australien. 1887 gingen 3467 Schiffe ein mit 2600000 Tonnen und aus 3393 Schiffe mit 2564000 Tonnen.

Nachmittags 4 Uhr, als die Hitze nachgelassen, fuhr ich mit Capitän R. nach der Hauptsehenswürdigkeit von Singapore, dem botanischen Garten, der mein Staunen und Entzücken erregte.

Botanische Gärten sind zuerst im Anfang des 14. Jahrhunderts zu Salerno und bei Venedig angelegt, dann 1533 in Padua, 1544 in Pisa, 1568 in Bologna, 1626 zu Paris, ferner zu Kew bei London, in Amsterdam, an allen deutschen Universitäten, wobei Berlin sowohl durch Reichhaltigkeit als auch durch wissenschaftliche Beschreibung eine der ersten Stellen einnimmt. Was südliches Klima zusammen mit Kunst und Wissenschaft auf diesem Gebiete leistet, hatte ich im botanischen Garten zu Palermo 1884 und 1891 zu beobachten Gelegenheit: wer die Allee von Dattelpalmen einmal gesehen, vergisst sie niemals wieder. Aber erst in den tropischen Gegenden von Asien sah ich die höchste Vollendung.

Die Gärten von Peradenia auf Ceylon, bei Calcutta, bei Singapore, bei Batavia auf Java geniessen mit Recht des höchsten Rufes. Den letztgenannten bekam ich nicht zu sehen, wohl aber die drei andern. Vom Standpunkt der Gartenkunst ist der zu Singapore der schönste, wiewohl er an Zahl der Pflanzenarten hinter dem von Peradenia zurücksteht.

Auf schöngehaltenen Rasenbeeten erheben sich schlanke Kokospalmen in die Lüfte, Fächer-Palmen, Sago-Palmen mit haushohen Blättern, Riesenbambus, Bambus mit rothem Stengel, blühende Bäume aller Art, Bougainvilien, Akazien mit rothen Blüthen zwischen den hellgrünen Blättern, dem Auge eine viel angenehmere Farbenmischung als unsere mit ihren gelben Blüthen; in Gewächshäusern, die nicht fest geschlossen, sondern nur mit einem Blätterdach (gegen die Sonnengluth!) versehen sind, sieht man Orchideen und Farrn aller Art, Wasserpflanzen mit durchbrochenen Blättern, wie aus grünem Spitzengewebe. Zur Belebung des Ganzen tragen einige Thier-Häuser bei mit Affen, Nashornvögeln, Casuaren.

Heimgekehrt spazierten wir Abends durch die Geschäftsstrassen neben dem Hotel, die Läden mit ostasiatischen Juwelier-Arbeiten und sogenannten Curiositäten; speisten im Hotel und fuhren um 10 Uhr zum Schiff zurück.

Die Nacht war schlimm durch Schwüle und durch Moskitos wegen der Nähe des Landes. Ich zog es vor, nur mit Hemd, Handschuhen und Strümpfen bekleidet, vor meiner Cajüte zu sitzen.

Am nächsten Morgen stellten sich die schreienden Taucher-Bettler wieder ein[289], Händler mit Affen, Papageien, Muscheln, Corallen — alle in kleinen Böten zwischen Ufer, Schiff und Landungsbrücke. Unser Dampfer wird durch Zustrom neuer Reisenden überfüllt. Ich erhalte (allerdings nur für einen Tag und Nacht) als Cajütgenossen einen kleinen siamesischen Prinzen. Derselbe ist in Edinburgh erzogen und zwar sehr streng, so dass er weder raucht noch trinkt, 22 Jahr alt, seit zwei Jahren verheirathet, Vater eines niedlichen Mädchens. Er zeigt und schenkt mir voll Stolz die Photographie von Frau und Kind. Seine Gattin ist Hofdame der Königin von Siam. Er selber malt in Oel zu seinem Vergnügen. Er ist höflich und angesehen. Seine Diener, die im Zwischendeck mitfahren, knien vor ihm nieder, wenn sie ihm beim Anziehen und Schmücken behilflich sind und ihn mit Rosenwasser besprengen.

Wir fahren durch die Meerenge (Straits) und sehen fortwährend Land. Abends kommt Wetterleuchten, aber keine Kühlung. Wunderbar war der Sonnenuntergang: gegenüber der Sonne, im Osten, eine Wolke rosig verklärt, so im Wasser gespiegelt, aber — nur für kurze Zeit; sofort schien der Mond hell und zeichnete in den Wellen, die das Schiff pflügte, zahllose Diamant-Lichter. Die Sterne blieben meist verhüllt. Der grösste Theil der Cajütenreisenden schläft auf Deck, jeder schleppt seine Matratze herbei. Des Morgens erhebt sich ein kühler Wind, es regnet. Um ¾6 Uhr bin ich der erste im Bad. Sehr angenehm war es, dass hier in so grosser Nähe vom Aequator die Hitze durch Regen oder Bewölkung des Himmels einigermassen gemildert wurde.