In einem Punkt steht leider unser norddeutscher Lloyd bedeutend hinter P. & O. zurück, in der Ertragsfähigkeit.
Der sorgsame Reisende vermerkt zuerst den Logbericht der Fahrt:
Freitag, 28. October, 18° N., 113° 38′ O., 268 Seemeilen.
Sonnabend, 29. October, 13° 39′ N., 111° 39′ O., 297 Seemeilen.
Sonntag, 30. October, 9° 30′ N., 109° 13′ O., 287 Seemeilen.
Montag, 31. October, 5° 25′ N., 106° 12′ O., 304 Seemeilen.
Dienstag, 1. November, Vorm. in Singapore 1° 10′ N., 103° 15′ O.
Mittwoch, 2. November, Vormittag ab Singapore.
Donnerstag, 3. November, 3° 48′ N., 100° 18′ O., 276 Seemeilen.
Abends an Penang. Nachts 2 Uhr ab Penang.
Freitag, 4. November, 5° 46′ N., 98° 44′ O., 100 Seemeilen.
Sonnabend, 5. November, 6° 06′ N., 94° 07′ O., 275 Seemeilen.
Sonntag, 6. November, 6° 07′ N., 89° 37′ O., 269 Seemeilen.
Montag, 7. November, 6° 04′ N., 85° 06′ O., 270 Seemeilen.
Dienstag, 8. November, 5° 55′ N., 80° 15′ O., 291 Seemeilen.
Abends, 8. November, an Colombo.
Die Nähe des Aequators giebt sich deutlich kund. Am 27. October beträgt die Dauer des Sonnenuntergangs 2½ Minuten, am 3. November fast genau zwei Minuten, und zwar genau um 6 Uhr. Morgens beim Sonnenaufgang messe ich schon 20° C. im Schatten, das kühle Bad wirkt sehr erfrischend, die Kleidung ist südlich, das Meer tiefblau. Ich lese einige Bücher über Indien.
Bei der Einfahrt nach Singapore (Dienstag den 1. November Vormittag) erblicken wir zuerst ein Schiffs-Wrack, dann zahlreiche kleine Inseln, auf dem nahen Festland einen prachtvollen und dichten Kokospalmen-Wald längs der Küste; wir fahren an der Rhede vorbei und ankern ausserhalb der Stadt an der Werft (P. & O. Wharf, in New Harbour, 3 englische Meilen westwärts von der Stadt), treten sofort an’s Ufer, ohne auf die nach hineingeworfenen 10 Cts. Stücken tauchenden Knaben und Jünglinge zu achten, und fahren in einer netten, von einem kleinen Malayen-Ponny gezogenen, von einem Malayenkutscher geführten Verdeckdroschke („gharry“, für 75 Cts.) nach dem Hotel de l’Europe, woselbst wir einen thatkräftigen, aber groben Deutschen als Verwalter, schlechtes Essen, gutes Bier und Schutz gegen die Mittagshitze finden.
Singapore an der Südspitze von Hinterindien, 1° 17′ nördlich vom Aequator, 103° 50′ östlich von Greenwich, ist die Hauptstadt der englischen Colonie Strait-Settlements, welche die Insel Singapore, den Bezirk Malakka auf der gleichnamigen Halbinsel und die ein wenig nördlicher (6° N.) dicht bei der Halbinsel gelegene Insel Penang umfasst. Die Insel Singapore liegt am Südende der Strasse von Malakka, vor der Südspitze der gleichnamigen Halbinsel, östlich und nicht weit von der Mitte von Sumatra, westlich von Borneo, eine Dampfertagereise nördlich von Java[288], nach Ratzel’s Worten „an eine jener praedestinirten Mittelpunktsregionen des Weltverkehrs.“ Die Insel ist 48 Kilometer lang, 25 Kilometer breit und enthält 687 Quadratkilometer, ist also beträchtlich grösser als Hongkong. Sie ist ziemlich eben, da der höchste Hügel nur 500 Fuss sich erhebt, und mit Baumwuchs bedeckt. Die Hauptstadt liegt auf der Südostseite der Insel und ist 4 englische Meilen lang; die Nordseite ist vom Festland (Djohor) durch einen schmalen Canal (Tambroh Channel, 0,45 bis 1,2 Kilometer breit,) getrennt. Die Insel wurde 1819 durch Sir Stamford Raffles für England in Besitz genommen, 1824 von dem Sultan von Djohor an die britisch-ostindische Compagnie verkauft, 1867 an die englische Krone abgetreten.
Die Colonie ist wichtig wegen der Nähe der Gewürzinseln des Malayischen Archipels sowie als Flotten-Station und Kohlen-Lager für die Engländer in kriegerischen Zeitläuften. Das Regierungsgebäude, das Stadthaus, die Banken und die Uferstrasse mit Docks und Waarenlagern machen schon einen hübschen Eindruck, weniger lässt sich dies von den Quartieren der Einheimischen sagen, wo alle Arten der östlichen Rassen anzutreffen sind. Die Häuser der europäischen Kaufleute liegen draussen, in grossen Gärten und sind höchst geräumig und luftig angelegt. Die Bevölkerung beträgt 150000: Chinesen, Malayen, Inder. Die letzteren sind Tamilen und werden hier Klings genannt. — Unter den (1900) Europäern sind viele Deutsche, namentlich Kaufleute. Aber es giebt hierselbst auch einen deutschen Arzt, der nicht nur in der deutschen Colonie grosses Vertrauen geniesst, sondern auch die Zopfträger von der Wohlthat deutscher Wundarzneikunst überzeugt hat. Das deutsche Reich hat hier einen Consul.