Abends 8 Uhr werfen wir auf der Rhede von Colombo Anker. Die meisten Reisenden blieben über Nacht auf dem Dampfer. Ich meine, dass man auf einer solchen Reise die Kosten eines Nachtlagers am Lande nicht scheuen soll; liess Koffer, Handtasche, Mantelsack und Holzstuhl — mein ganzes Gepäck — in einen Kahn schaffen und fuhr an’s Land.

Der Steuerbeamte war höchst artig, ganz frei von der überflüssigen Neugier, eines Vergnügensreisenden Koffer zu durchsuchen, und sehr gefällig, indem er freiwillig sich anbot, meinen Korbstuhl bis zur Abfahrt nach Calcutta aufheben zu lassen. Ich erhielt ein gutes Zimmer in dem dicht am Hafen belegenen, riesengrossen Oriental-Hotel, wo ich wieder einen Deutschen (Herrn Raden) als Leiter antraf, und schlief recht mittelmässig. Es war ein Feind im Zimmer; ein einzelner Moskito (oder eine, denn nur die weibliche Mücke sticht,) befand sich innerhalb des über das Bett ausgespannten Netzes. Man hört das verrätherische Summen; denkt, es wird nicht gleich so schlimm werden, bis ein unangenehmer Stich unsere Ansicht ändert. Man steht auf, macht Licht, sucht ganz vergeblich; legt sich wieder, hört von Neuem das Summen, wird wieder gestochen, steht wieder auf zur vergeblichen Jagd. Natürlich Morgens früh, wenn man müde erwacht, sieht man das von unsrem Blute genährte Ungeheuer jetzt träge in einer Falte des Moskito-Netzes sitzen und hat die Wahl, dasselbe zu tödten oder es in diesem thierfrommen Lande der Buddhisten zum — offenen Fenster hinaus zu werfen.


VI.
Ceylon.

Wir Deutschen kennen Ceylon hauptsächlich aus den bequem zugänglichen Reisebeschreibungen unserer Landsleute (Schmarda 1854, Hildebrandt 1862, Dr. H. Meyer 1882, Graf Lanckorónski 1889, Dr. Eugen Böninger 1890); ferner aus Professor Häckel’s indischen Reisebriefen (Leipzig, 1882) und vielleicht auch aus dem Prachtwerk von Eugen Ransonnet-Villez (Braunschweig 1868), das aber leider vergriffen und sehr selten geworden ist.

Jedoch die eigentliche Quelle unserer Kenntniss von dieser merkwürdigen Insel ist das zweibändige klassische Werk: Ceylon, by Sir James Emerson Tennent (5. Auflage, London 1860, Longman, Green, L. & Roberts). Der Verfasser hat als höherer Beamter und Gouverneur viele Jahre in Ceylon zugebracht, mit grosser Liebe in seinen Gegenstand sich vertieft und mit Hilfe von Fachgelehrten die ganze Geschichte des Volkes und der Natur, die Landbeschreibung und Sittenschilderung auf das allergründlichste abgehandelt.

Selbstverständlich sind in den letzten 30 Jahren wesentliche Aenderungen auf Ceylon eingetreten. In dieser Hinsicht, durch Angaben über den gegenwärtigen Zustand, ist sehr nützlich Ceylon in 1893, by John Ferguson (London, Huddon & Co. 1893). Dieses Buch ist bei Weitem nicht so wissenschaftlich, wie das von Tennent, für welches Ferguson, ein ganz geschickter Zeitungsschreiber und agrarischer Parteimann, seltsamer Weise kaum ein Wort des Lobes findet, mehr als einmal aber spöttische Bemerkungen.

Eine naturwissenschaftliche Beschreibung der Insel Ceylon enthält das originale Prachtwerk: Ergebnisse der Forschungen in Ceylon von Dr. Paul Sarasin und Dr. Fritz Sarasin, III. Band. Die Wedda’s von Ceylon. Wiesbaden 1892/3, Kreidel. (Fol., 600 S. mit Atlas.) Die Verfasser, hervorragende Naturforscher, haben in 2½ Jahren die Insel in 9 Halbmessern zu Fuss durchstreift und zwei Drittel des Umfangs umschritten.