Von den heiligen enthält Pithakattyan die Lehre der Buddhisten in 592000 Stanzen, Atthakatha die Erläuterung in 361500; am beliebtesten sind daraus Buddha’s Reden. (Pansiya-panas-jataka-potu, wörtlich die 550 Wiedergeburten.) Diese Reden sind in’s Singhalesische übersetzt und füllen 2000 Palmblätter von 29 Zoll Länge mit je neun Zeilen.
Das feinste Schreibpapier wird von dem Blatt der Talipot-Palme gewonnen.
Die Zucker-Palme liefert auch Sago. Ein tüchtiger Baum giebt in 24 Stunden 100 Pinten[358] Palmwein. 30000 Acres sind auf Ceylon mit dieser Palme bepflanzt.
Die Nuss der Areca-Palme hat einen weissen, rothgeäderten Kern, welcher Fett, Emulsin, Zucker, Gerbsäure und einen rothen Farbstoff enthält. Ein Stückchen der Nuss wird in ein grünes Blatt des Betel-Pfeffers (piper betel), das an der Innenseite mit Kalk-Brei bestrichen ist, eingeschlagen, und dieser Bissen gekaut. Hundert Millionen Menschen sind diesem Genussmittel ergeben, das die Zähne schwarz, das Zahnfleisch und den Speichel roth färbt, aber die Esslust anregt und die Verdauung und Ernährung dieser reis-essenden Völker befördert. Singhalesen und Hindu vergessen eher Speise und Trank, als Betel-kauen. Mann und Frau, Jung und Alt huldigen diesem Brauch. Jeder Singhalese hat seine Betel-Büchse bei sich, die in ihrer grösseren Abtheilung Areca-Nuss und Betel-Blätter, in der kleineren etwas (calcinirten Muschel-) Kalk — chunam — enthält. Als ich im Postwagen den ganzen Tag neben dem Kutscher sass, lernte ich diese Geheimnisse genügend kennen. Die Betel-Büchsen der Reichen sind wahre Kunstwerke; solche sieht man auch im Museum zu Colombo. Mahawanso erwähnt, dass schon im 5. Jahrhundert v. Chr. Betel-Blätter das Geschenk darstellten, welches eine Prinzessin ihrem Verehrer zu senden pflegte; und dass Dutugaimunu (161 v. Chr.) den Arbeitern seiner Dagoba die fünf Würzen zum Kauen spendete. Die Frau eines singhalesischen Ministers schickte ihrem Gatten Betel ohne Kalk, in der sicheren Erwartung, er würde sofort nach Hause kommen, um das Vergessene zu holen, und so — dem geplanten Mordanschlag entrinnen. Schon die Portugiesen führten aus Ceylon Areca-Nüsse aus gegen den Reis, der von Südindien eingeführt werden musste; die Holländer jährlich 35000 Centner, unter Monopol. Jetzt werden jährlich aus Ceylon 100000 Centner ausgeführt im Werthe von ebensoviel Pfund Sterling. Viel wird im Lande verbraucht. 65000 Acres sind auf Ceylon mit Areca-Palmen bepflanzt.
Für uns Nordländer ist einmal die Palme der eigentliche Baum des heissen Südens, ja der König aller Bäume, da unsre schwärmerische Einbildungskraft das Fremde und Ferne leicht zu überschätzen pflegt. Aber wer die Tropen wirklich besuchen konnte, findet dort noch andere Pflanzenwunder, die den Blick nicht minder fesseln. Da ist das undurchdringliche grüne Dickicht des Riesen-Bambus. Es ist nur ein Gras, aber was für eines? An 100 schlanke, walzenförmige Stämme, jeder 1–2 Fuss dick, ganz dicht an einander gedrängt, weil aus gemeinsamer Kriechwurzel entsprossen, schiessen grade empor bis zu 100 Fuss Höhe, — bis zu 60 Fuss ohne Verzweigung; dann aber breiten sie sich aus in den grünen Riesenbüschel der zartgefiederten Blätter, der eine Kreisfläche von 100 Fuss Durchmesser beschattet.
Von den tropischen Farnbäumen werde ich bald, bei andrer Gelegenheit, ein paar Worte zu sagen haben. Gewürznelken-, Muskatnuss-, Brotfrucht-Bäume und tausend andre kostbare und nützliche Pflanzen decken den grünen Rasen, alles wohl gepflegt, geordnet, bezeichnet. Denn der Pflege der tropischen Nutzgewächse wird grosse Sorgfalt zugewendet; Samen, Früchte, Ableger werden an Gärtner und Pflanzer vertheilt, und Versuche über Anbau und Einbürgerung angestellt. Auch die Schlinggewächse der Tropen, zum Theil mit herrlichen Blüthen und sogar ein Stück „Urwald“ kann man hier bewundern; nicht minder Orchideen und alle Blumen des Südens.
Es ist schwer zu sagen, worin für uns der Zauber der tropischen Vegetation liegt. Schmarda, ein feiner Naturbeobachter, stellte fünf Punkte zusammen: die massenhafte Entwicklung des Laubes, die grosse Mannigfaltigkeit in der Form, der Mangel geselliger Bäume, das kräftige Grün und die hellen Lichtreflexe der glatten, spiegelnden Flächen.
150 Acres oder 60 Hektaren bedeckt der Garten, der parkartig gehalten und an drei Seiten von der Krümmung des Mahaweli-Flusses umgeben ist. Seit 1830 besteht der botanische Garten zu Peradenia, nachdem ein solcher zuerst 1799 bei Colombo gegründet worden. Das Museum und das Denkmal für Dr. Gardner verdienen besichtigt zu werden. Nach seiner Schätzung dürfte Ceylon 5000 Arten von Gefässpflanzen besitzen, also mehr als ganz Deutschland. Dr. Thwaites, der vorletzte Director des Gartens, hat 1864 eine Flora von Ceylon herausgegeben, in welcher 3000 verschiedene Arten von Gefässpflanzen beschrieben sind. Der jetzige Leiter des Garten, Dr. Trimen, hat einen Catalog der Pflanzen des Gartens veröffentlicht; mit einer vollständigen Beschreibung ist er noch beschäftigt.
Merkwürdig scheint nur, dass von dieser ausgezeichneten Gelegenheit zu botanischem Studium, welche der Garten zu Peradenia liefert, kein genügender Gebrauch gemacht wird. Ich fand daselbst keinen Studenten, keinen jungen Forscher. Und doch eignet er sich zu einer botanischen Station, gradeso wie der blaue Golf von Neapel zu einer zoologischen, welche daselbst durch die Thatkraft unsres Landsmanns Prof. Dohrn in’s Leben gerufen worden. Dies ist übrigens schon von einem auf diesem Gebiet maassgebenden Forscher, von Professor Häckel, hervorgehoben worden. Aber neben dem Forschen müsste auch das Lehren betrieben und hierselbst eine landwirthschaftliche Hochschule nach deutschem Muster, wenngleich wohl mit geringeren Ansprüchen, gegründet werden, wo die schwierigen Aufgaben der Thee-, Kaffe-, Cacao-Pflanzung wissenschaftlich erläutert und dargelegt werden könnten. Praktisch kann man die tropische Pflanzung nirgends in der Welt besser erlernen, als auf Ceylon.