1) Ureinwohner (Nicht-Arier) und ihre halb-hinduisirten Abkömmlinge 17½ Millionen (1872, in Britisch-Indien).
2) Verhältnissmässig reine Arier (Bráhmanen, Rájputen) 16 Millionen.
3) Die gemischte Bevölkerung der Hindu, die aus der arischen und nichtarischen Bevölkerung, hauptsächlich aus der letzteren, erwachsen ist, 111 Millionen.
4) Mohammedaner 40 Millionen. (Zusammen 186 Millionen unter britischer Regierung im Jahre 1872.[431])
Die entsprechenden Zahlen aus den Schutzstaaten waren nach der Zählung von 1881: 5¼ Millionen Bráhmanen und Rájputen, 46¼ Millionen Ureinwohner und Hindu niederer Kasten (1 + 3), 5 Millionen Mohammedaner, zusammen 56 Millionen. Bei der Zählung von 1891 liess man die Unterschiede von 1 und 3 fallen; fand aber, dass in Britisch Indien noch 11, in ganz Indien 14 Millionen wilder Wald-Stämme vorhanden sind.
In der ältesten Zeit, aus der wir überhaupt Kunde haben, entdecken wir zwei Völkerstämme verschiedener Rasse im Kampf um den Boden Indiens. Der eine Stamm war ein hellfarbiges Volk, vor Kurzem aus Mittelasien durch die Nordwest-Pässe des Himalaya nach Indien vorgedrungen; Aryer, d. h. Edle, nannten sie sich selber, sie hatten eine prachtvolle Sprache. Die anderen, dunkler und von niederer Rasse, hatten lange im Lande gelebt und wurden von den Ankömmlingen theils in die Wälder getrieben, theils in der Ebene unterworfen. Sie selber haben keine Nachrichten oder Zeugnisse hinterlassen. Von den Siegern wurden sie in den über 3000 Jahre alten Liedern (Rig-Veda) Feinde (Dasyus) oder Sklaven (Dásas) genannt, Schwarzhäute, Nasenlose, Rohesser u. dergl. Sie können aber nicht alle Wilde gewesen sein, in den Veden ist von ihren sieben Schlössern und 90 Festungen die Rede. Als die Geschichte anbricht, finden wir in Indien einige der mächtigsten Königreiche unter nicht-arischen Herrschern.
Noch heute leben in Indien Stamme der Art, in demselben Zustand, wie vor 3000 Jahren, oder mit geringem Fortschritt.
Woher kamen diese Urvölker? Nur die Sprache giebt einigen Anhalt. Sie gehören zu den Tibeto-Burmanen, Kolariern und Dravidiern. Die ersteren sind wahrscheinlich durch die Nordostpässe eingedrungen und leben jetzt noch in der Nähe des Himálaya. 22 Hauptsprachen der Tibeto-Burmanen werden unterschieden. Die zweiten wohnen im Norden von Dekkan, zu ihnen gehören die Santáls; neun Hauptsprachen ihrer Gruppe werden unterschieden. Die Dravidier kamen wahrscheinlich durch die Nordwest-Pässe, zersprengten die kolarischen Stämme und drangen machtvoll nach dem Süden des dreieckigen Tafellandes und wurden von der arischen Rasse zwar unterworfen, aber nie auseinandergesprengt. Sie haben ihre Sprache 28 Millionen in Süd-Indien gegeben: zwölf Dravida-Sprachen (vier hauptsächliche) werden in Indien unterschieden. Sie verehrten die Erde unter dem Zeichen der Schlange und ferner den Linga, ein steinernes Sinnbild der männlichen Zeugungskraft; sie sind die Baum- und Schlangen-Anbeter des alten Indien. Noch heute sind also von den drei Theilen Indiens zwei, nämlich Himálaya im Norden und die dreieckige Südhälfte, hauptsächlich von nicht-arischen Völkern bewohnt; aber der wichtigste Theil Indiens, die grossen Flussebenen sind schon seit alter Zeit der Schauplatz, wo eine edlere Bevölkerung ihre Cultur ausbildete. Sie gehört zu der arischen oder indogermanischen Rasse. Ihr ursprünglicher Sitz war Central-Asien.
Die ältesten vedischen Gesänge zeigen uns den indischen Zweig der Arier auf dem Marsch von Kabul zum Punjab und schliesslich zu den Gangesebenen, wo sie dauernd sich niederliessen. Diese Rig-Veda sollen nach den Hindu „vor aller Zeit“ oder doch schon mindestens 3000 v. Chr. entstanden sein, nach europäischen Gelehrten aber erst 1400 v. Chr. Es sind 1017 Psalmen mit 10580 Versen.
Diese alten Arier lebten nach der Weise der Erzväter, unter Häuptlingen; ehrten die Frauen, kannten die Metalle, den Pflug. Vieh war ihr Reichthum und ihr Geld. Sie assen Rindfleisch und tranken Bier (aus der Soma-Pflanze); wohnten in Dörfern und Städten, wanderten in Stämmen vorwärts, vertrieben oder unterjochten die „schwarzhäutigen“ Ureinwohner. Ihre Todten wurden ursprünglich begraben, später verbrannt. Sie verehrten den Himmelsvater Dyaush pitr (Jupiter) und die Mutter Erde, das Firmament Varuna (Uranos), Indra den Regengott mit dem Speer, dem die meisten Hymnen gewidmet sind, und Agni (Ignis), den Feuergott, im Ganzen 33 Gottheiten, elf im Himmel, elf auf Erden und elf im glänzenden Luftkreis.