Drei Haupttheile sind zu unterscheiden: I) die Gegend der Himálaja[426]-Berge, welche 2400 Kilometer längs der Nordgrenze von Indien verlaufen. II) Die weiten Flussebenen erstlich des Indus mit seinen fünf Ursprungsflüssen (Punjab), zweitens des Ganges mit dem Nebenfluss Jumna, drittens des Brahmaputra, der sein Ausfluss-Delta mit dem des Ganges vereinigt. III) Das dreieckig begrenzte Tafelland der (grösseren) Süd-Hälfte, der Dekkan[427], d. h. Süden. Das Vindhya-Gebirge im Süden der Gangesebene bildet die Grundlinie des Dreiecks, die Ost- und West-Ghats[428] die beiden Seiten (Malabar- und Coromandel-Küste), die im Cap Comorin zusammentreffen. 1891 hatte II mit I zusammen 165, III 115 Millionen Einwohner.[429]

Ein Drittel des Landes mit einem Viertel der Bevölkerung steht noch unter einheimischen Fürsten, welche aber die britische Oberhoheit anerkennen. Der britische Vicekönig (oder Governor General, zur Zeit Marquis von Landsdown,) hat seinen Herrschersitz im Winter zu Calcutta, im Sommer zu Simla, einem südlichen Vorsprung des östlichen Theiles vom Himalaya, und entfaltet mehr Pracht, als mancher europäische König.

Ich sah die prunkvollen Empfangsvorbereitungen zu Calcutta, als der Vicekönig von einer einfachen Besichtigungsreise nach Madras zurück erwartet wurde.

Das britische Gebiet des Kaiserreichs ist jetzt in zwölf Provinzen (Governments) getheilt, deren hauptsächlichste sind: Bengal, Nordwestprovinzen mit Oudh, Punjab, Centralprovinzen, Bombay mit Sindh. Madras. (Dazu Assam und Ober- und Nieder-Burma.)

Die Volkszählung von 1891 ergab:

1) 221434862 Einwohner in den britischen Besitzungen,
2) 66908147 Schutzstaaten,
3) 561384 portugiesischen Ansiedlungen
(Goa u. s. w.),
4) 282923 französischen (Pondichery u. s. w.).

Von der erstgenannten Zahl waren nur 90169 Briten, und überhaupt (einschliesslich der Briten) nur 110504 nicht in Asien geboren. Noch nie ist ein so grosses Reich von einer so winzigen Zahl Fremder beherrscht worden.

Die Dichtigkeit der Bevölkerung beträgt 59 auf den Quadratkilometer und ist, wohl wegen der besseren Verwaltung, in den britischen Besitzungen fast doppelt so gross, wie in den einheimischen Schutzstaaten (89: 42). In Bengal ist Uebervölkerung, zwei Menschen müssen leben von den Erzeugnissen eines einzigen Acre.[430]

In England leben 53,22 Procent der Bevölkerung in 182 Städten mit mehr als 20000 Einwohnern, in Britisch-Indien nur 4,84 Procent in 225 Städten dieser Grösse. Indien ist ein Acker-Land. In den übervölkerten Theilen nimmt die Bevölkerung nicht zu; doch giebt es noch genug Land; erwünscht, aber schwierig ist eine bessere Vertheilung des Volkes.

In der Bevölkerung erkennt man hauptsächlich vier Stämme: