Beiden Völkern und Sprachen gemeinsam ist ein liebenswürdiges Büchlein von unserem Max Müller in Oxford: Indien in seiner weltgeschichtlichen Bedeutung (Leipzig 1884). Max Müller hat bekanntlich den ganzen Rigveda herausgegeben, das unermüdliche Werk eines Menschenalters, und auch die Uebersetzung in’s Englische fertiggestellt. Die indische Literaturgeschichte verdanken wir unserem Berliner Professor Albrecht Weber (II. Auflage, Berlin 1876).

Ueber die Religionen in Indien belehrt uns ein Werk von A. Barth in Paris, das ich in der englischen Ausgabe (London 1891) besitze.

Die Zahl der englischen Reisebeschreibungen über Indien ist gewaltig. Gelesen habe ich India Revisited, von dem Dichter Sir E. Arnolds, und Picturesque India by W. S. Caine (London 1891).

Von deutschen Reisewerken kommen in Betracht die einschlägigen Capitel der schon genannten Bücher von Hildebrandt, H. Meyer, Lanckorónski. Ausserdem haben wir eigne Reisebeschreibungen von Indien, ältere, wie die vorzügliche des Prinzen Waldemar von Preussen (1844 bis 1846) und seines Arztes Dr. Hoffmeister, sowie aus neuerer Zeit von unserem Professor Reuleaux „Quer durch Indien im Jahre 1881“ (Berlin 1885); endlich ein viel gelesenes Prachtwerk: Indien in Wort und Bild von Schlagintweit (Leipzig 1881, 2 Bände), dessen gelehrtem Verfasser leider die eigne Anschauung des von ihm in Wort und Bild geschilderten Landes nicht beschieden war.

Die allgemeine Länderkunde unseres bibliographischen Instituts enthält in dem 1892 erschienenen Band Asien eine Beschreibung von Indien, die den deutschen Leser der Nothwendigkeit überhebt, den 8. Band von E. Reclus’ Nouvelle Géographie universelle (Paris 1883) nachzuschlagen; während die vor zwei Menschenaltern erschienene Erdkunde unseres Ritter, trotz der inzwischen eingetretenen Veränderungen, durch ihre anziehende Behandlung noch heute verdient, zu Rathe gezogen zu werden.

Diese kleine, vielleicht etwas persönliche Auswahl von Schriften über Indien beweist denn doch, dass es nicht so ganz leicht und nicht so sehr schnell geht, über dieses Land einigermaassen sich zu unterrichten.


Unser Name Indien stammt aus dem Sanskrit. Sindhus wurde der grosse Fluss genannt (Indus), zu dem aus Mittelasien die Arier zuerst gelangten und Sinthavas die Anwohner. Hieraus wurde Hendu im Iranischen, Indos im Griechischen. Jetzt heisst die Königin Victoria von England, seit dem 1. Januar 1877, Kaisar-i-Hind.

Als Columbus 1492 in Guanahani landete, glaubte er eine Insel nahe der Gangesmündung erreicht zu haben. Erst nachdem Vasco de Gama 1498 den Seeweg um Afrika nach dem eigentlichen Indien gefunden, und Balboa zuerst den Stillen Ocean erblickt; fing man an einzusehen, dass die neu entdeckten Länder im Westen von Europa und das alte Land der Inder im äussersten Osten durch weite Strecken von einander entfernt seien, und begann die Inseln in Mittelamerika als Westindien, das alte Indien aber als Ostindien zu bezeichnen.

Das Riesendreieck von Ostindien ruht mit der Grundfläche am Himalaya und reicht von 35° nördl. Br., d. h. von dem gemässigt warmen Erdgürtel, hinab mit der Spitze bis zum 8. Grad nördl. Br., d. h. zur heissesten Gegend der Erde. Das britische Kaiserreich in Indien hat eine Grösse von 4824000 qkm und eine Bevölkerung von 289 Millionen, d. h. so viel wie ganz Europa ohne Russland, und über das Doppelte von dem, was einst dem kaiserlichen Rom gehorchte. Es ist eher ein Erdtheil, als ein Land.