Oberhalb dieser Treppe steht der feste Palast, in dem Chait Sing, der Rajah von Benares, 1781 wohnte. Da er keine Hilfsgelder zahlen wollte, behauptete Warren Hastings, dass er in Briefwechsel mit dem Feinde stände, und sandte Truppen zu seiner Verhaftung; aber der Rajah entkam durch ein Fenster, das uns gezeigt wird. Natürlich wurde sein Besitz eingezogen und nur unter der Bedingung einer verstärkten Tributzahlung an seinen Neffen ausgehändigt.

Am neunten oder Smashan Ghat sieht man stets Scheiterhaufen; die Leiche, ganz in weisses Zeug gehüllt, ist auf einer einfachen Bahre (aus zwei Bambusstäben mit einigen Querleisten) mittelst dünner Stricke aufgebunden und liegt hart am Rande des sandigen Ufers, so dass die Füsse noch von dem heiligen Wasser benetzt werden. (Auf dieser Bahre war sie von zwei weissgekleideten Männern, die fortwährend Ram, Ram[473] rufen, zum Ganges-Ufer getragen worden, während die Leidtragenden folgten. Das sieht man in Benares an jedem Tage zu wiederholten Malen.)

Die Verbrennung ist unglaublich einfach und billig. Ein lockerer Scheiterhaufen von 6 bis 7 Fuss Länge und 2 bis 3 Fuss Höhe mit einigen zu beiden Seiten schräg aufgestellten, gewissermassen überwölbenden, armdicken Hölzern genügt vollständig, um in zwei Stunden die Leiche bis auf geringe Reste zu verbrennen.[474]

„Unsterbliche heben verlorene Kinder

Mit feurigen Armen zum Himmel empor“,

singt Goethe in seiner Indischen Legende; und in der Braut von Korinth:

„Wenn der Funke sprüht,

Wenn die Asche glüht,

Eilen wir den alten Göttern zu.“

Aber will ich nicht verhehlen, dass der scharfe Blick des Beobachters dabei auch Einzelheiten entdeckt, welche empfindsamen Gemüthern die dichterische Verklärung zu rauben geeignet sind.