Ein schöner Naturpark auf einer Halbinsel enthält einen acht Meilen langen, gutgepflegten Fahrweg mit entzückenden Aussichtspunkten. Und in dem herrlichen Hafen, dicht neben der grossen Bahnstation und der Werft unmittelbar anliegend, ist ein 485 Fuss langer Oceandampfer „Empress of Japan“ verankert, dessen Wimpel westwärts flattern, westwärts nach dem fernen Osten.
III.
Der stille Ocean.
Schon der Name des stillen Oceans macht auf den Landbewohner von Mitteleuropa einen überwältigenden Eindruck; der Begriff der ungeheuren Grösse,[60] welche ja die der sämmtlichen fünf Erdtheile übertrifft, fügt sich zu dem der gewaltigen Entfernung von der Heimath, die ungefähr ein Drittel des Erdumfangs ausmacht. Als ich, im Herbst 1887, bei dem Klippenhaus von San Francisco, zum ersten Mal das Glück hatte, dieses Weltmeer aus der Nähe zu betrachten, konnte ich nicht umhin, obwohl sonst symbolischen Handlungen abhold, meine Stirn mit dem Salzwasser zu benetzen und meinen Geist in jene merkwürdige Zeit zu versetzen, wo Vasco Nunnez de Balboa (am 25. September 1513) von einem Berg der Meeresenge zu Panama zuerst „das Südmeer“ erblickte, — um vier Jahre später von dem neidischen Gouverneur Pedrarias Davila widerrechtlich enthauptet zu werden; und Fernão de Magalhães, der erste Weltumsegler, nach stürmischer Fahrt auf dem atlantischen Ocean um die Südecke von Patagonien herumsegelnd (Nov. 1520) einen ausnahmsweise ruhigen Wasserspiegel vorfand und dadurch zur Benennung des stillen Oceans veranlasst wurde.
Jetzt hatte ich diese gewaltige Wasserwüste zu durchkreuzen, in nahezu zweiwöchentlicher Fahrt, auf der ich weder eine Insel, noch auch, aller Wahrscheinlichkeit nach, ein einziges Schiff zu Gesicht bekommen würde. Gegenüber den zahlreichen Dampferlinien zwischen Europa und Nordamerika bestehen nur zwei zwischen Nordamerika und Ostasien.
Die erste (ältere) führt von S. Franzisco nach Yokohama (4750 Seemeilen = 8787 Kilometer). Vor zehn Jahren war Dr. H. Meyer befriedigt durch die Leistung der ost-westlichen Dampfschiffgesellschaft[61], die Strecke mit einem Dampfer von 3000 Tonnen und 650 Pferdekräften bei einer mittleren Tagesgeschwindigkeit von 250 Seemeilen binnen 19 oder 20 Tagen zurückzulegen.
Heutzutage ist man so wenig damit zufrieden, dass das Schiff dieser Linie, welches unmittelbar vor uns in Yokohama landete, sage einen einzigen Cajütreisenden brachte, unser eigenes Schiff aber mehr als 80. Der Wettbewerb wirkt Wunder. Die canadische Pacific-Bahn[62] hat ganz neuerdings drei mächtige Seedampfer erbaut, welche die stolzen Namen „Kaiserin von Japan“, „Kaiserin von China“, „Kaiserin von Indien“ führen und die Strecke von Vancouver bis Yokohama (4340 Seemeilen = 8029 Kilometer) bei einer mittleren Tagesleistung von 350 Seemeilen in 13 bis 14 Tagen zurücklegen und zwei Mal im Monat die Post von London nach Yokohama in 28 Tagen hinschaffen, während der Weg durch den Suezkanal gegen 40 Tage beansprucht.