Von oberflächlichen Globetrottern ist die Meinung verbreitet worden, dass in Japan der Tanz nur von niedrig stehenden Mädchen geübt werde. Das ist ganz falsch. Erstlich giebt es auch wirkliche Künstlerinnen, die der gewöhnliche Reisende allerdings nicht so leicht zu sehen bekommt, da diese Veranstaltungen sehr kostspielig sind. Zweitens wird im Bannkreise des eignen Hauses, allerdings nur für die Angehörigen und Freunde, der kunstgemässe Tanz von den Töchtern vorgeführt.

Nach dem japanischen Mittagsessen wurde mir noch ein europäisches vorgesetzt, mit Messer und Gabel und mit europäischen Weinen.

Wenn der Gast schliesslich seinen Wagen besteigt, so findet er als Gastgeschenk einen zierlichen Korb vor, worin, gut zubereitet und höchst geschmackvoll ausgelegt, ein grosser Fisch und eine Languste, die Sinnbilder für Glück und langes Leben, sich befinden.

Natürlich bekommt der gewöhnliche Japaner nicht ein solches Mittagsmahl, wie ich es soeben beschrieben. Er isst drei Mal am Tage, Morgens, Mittags, Abends. Reis ist die Hauptsache. Deshalb heissen die drei Mahlzeiten Morgen-, Mittag- Abend-Reis, wie bei uns Morgen-, Mittag-, Abend-Brod.

Dazu kommen Bohnen und andere Hülsenfrüchte[169], Hirse, Fisch[170], und Früchte. Unter letzteren sind besonders beliebt Rettig und Eierpflanzen (Solanum melongena), Dattelfeigen sowie Birnen, die sehr gut aussehen, von jedem Japaner höchst geschickt geschält werden, aber schlecht schmecken. Brod, Butter, Käse, Milch fehlen; Eier werden genossen.

Jedem Japaner wird ein eignes, ganz niedriges Tischchen mit den Speisen vorgesetzt. Er kniet auf den Matten, trinkt die Suppe und isst die festen Speisen, die alle zerkleinert und sehr sauber hergerichtet sind, mit zwei Holzstäbchen, die er zwischen den Fingern der rechten Hand hält und geschickt wie eine Zange anwendet.

Die drei Genussmittel der Japaner sind 1. cha (Thee), ein leichter Aufguss, grün, lau, bitter; 2. sake (Reisschnaps), dünn, nicht sehr berauschend, aber für uns nicht wohlschmeckend. Der Japaner ist im Räuschchen nicht unliebenswürdig. Die Sake-Steuer brachte 1889/90 an 14 Millionen Yen. Die Einführung unseres Bieres bewirkte einen Rückgang in der Sake-Erzeugung. (1885: 244 Millionen Gallonen, 1887: 128 Millionen.) 3. tabako, der im Anfang des 17. Jahrhunderts von den Portugiesen aus Manila eingeführt wurde, und aus Pfeifchen mit einem fingerhutgrossen Kopf geraucht wird, von Jung und Alt, Mann und — Weib.

Der Europäer, namentlich der englische Rindfleischvertilger, verlässt das japanische Mahl zwar gefüllt, aber nicht befriedigt.

Die japanische Nahrung ist ärmer an Stickstoff (und besonders an Fett), aber doch reich an Kohlenstoff und ganz genügend, um davon gut zu leben, namentlich bei genügender Muskelthätigkeit. Die Kulis sind kräftig, die Mitglieder der höheren Classen aber schwach, da sie nicht hinreichend Bewegung haben.

In der Ernährung der japanischen (und chinesischen) Arbeiter spielt der Reis die hervorragendste Rolle; er macht nach Scheube etwa 72 Procent der Gesammtnahrung aus und wird von der arbeitenden Classe zu 750–1050 g, nach Wernich zuweilen sogar bis zu 1400 g täglich aufgenommen. Daneben werden Gerste, Sojabohnen, Rüben, Rettig, Kartoffeln, aber auch Fische (zuweilen etwas Rindfleisch) genossen. Diese Kost bietet nach Scheube, Kellner und Y. Mori und, nach den neuesten Bestimmungen von R. Mori, Oi und Jhisima[171] an der Truppenreiskost, 78–100 g Eiweiss, 10–17 g Fett und 335–620 g Kohlehydrat[172]. Dabei ist zu beachten, dass die Japaner kleine, meistens nur 42–58 kg schwere Leute sind!