Die japanische Massage besteht in sanftem Reiben der Körperoberfläche mit der Hand, passiven Bewegungen der Gelenke und Kneten der oberflächlichen Muskel.

Japanische Aerzte empfehlen die Massage bei Rückenmarkschwindsucht und bei Lähmung, bei Hysterie und Kopfschmerz, bei Hüftweh und Muskelschwäche, auch bei schwerer Entbindung und nach der Entbindung, um die Brüste weich zu machen.

Die Geschicklichkeit und Kenntniss der Blinden ist überraschend. —

Was früher den Inhalt der wissenschaftlichen Heilkunde bildete, wird später Inbegriff der Volksmedicin, in Europa wie in Asien. Nadelstechen, Brennen, Kneten sind heute noch für das Volk in Japan die Allheilmittel. Als ich einen grösseren Spaziergang im Gebirge gemacht, wurde mir das Kneten von dem höflichen Wirth sofort angeboten, von mir aber mit eben so höflichem Danke abgelehnt.

Aberglauben auf dem Gebiete der Heilkunde ist weit verbreitet, in Japan wie in Deutschland.[200]

Als ich an der fichtenbekränzten Seeküste bei Suma das mit aufgehängten Papierstreifen und brennenden Kerzen verehrte Steindenkmal des im Jahre 1184 n. Chr. gefallenen jugendlichen Helden Atsumori besuchte, fand ich dort ein Pilgerpaar, eine ältliche Mutter mit ihrem 27jährigen Sohne; und da ich fragte, weshalb sie die Pilgerfahrt unternommen, hob die Mutter, ohne ein Wort zu sagen, den weissen Leinwandrock des Sohnes auf und zeigte mir bekümmert seine Erkrankung, eine grosse Geschwulst (Elephantiasis). Und als ich ihr sagte, dass gerade diese Krankheit nicht von dem göttlichen Helden, sondern von dem Arzt in Kobe geheilt werde, machte sie eine recht ungläubige Miene.

Während meines Aufenthaltes in Japan wurde ein Bauer zu neun Jahren Gefängniss verurtheilt, der in der festen Ueberzeugung, dass die Blindheit seiner geliebten Mutter nur durch Verzehren eines frischen Menschenherzens geheilt werden könne, seine freiwillig und mit Freuden sich darbietende Frau zu diesem Behufe getödtet hatte.

In buddhistischen Tempeln steht die Holzbildsäule eines Heiligen oder Heilgottes (Binzuru, eines der 16 Rakan oder Sendboten des Buddha, — ausserhalb der Kanzel, weil er die Schönheit eines Weibes bemerkt hatte). Die Gläubigen reiben die Bildsäule an dem Theile, der ihnen selber weh thut; und danach ihre eigne schmerzhafte Körperstelle. In Folge dessen sind die Bildsäulen stark abgerieben, die Augen z. B. kaum noch zu erkennen.

Schon Kämpfer berichtet von einem frommen oder schlauen Heilkräuterhändler, der das Recept zu seiner Mischung von einem „Gott“ erhalten hatte.