Andere Erinnerungen kamen ihm jetzt, die derselben Gedankenreihe angehörten.
Es war schon einige Jahre her, als er eines Abends in der Rue de Rivoli einem Laufburschen von ungefähr sechzehn Jahren begegnete, einem blassen, verschmitzt aussehenden Jungen, verführerisch wie ein Mädchen. Derselbe sog mühevoll an einer Cigarette, deren Papier geplatzt war. Schimpfend rieb er gewöhnliche Küchenstreichhölzer an seiner Hose ab, die nicht fangen wollten, bis ihm keins mehr übrig blieb. Jetzt bemerkte er den Herzog, der ihn beobachtete. Er näherte sich ihm und an den Rand seiner Mütze greifend bat er ihn um Feuer. Herr des Esseintes reichte ihm einige duftige Cigaretten von Dubêque, knüpfte dann eine Unterhaltung mit ihm an und veranlasste ihn, seine Geschichte zu erzählen.
Diese war äusserst einfach. Der Junge hiess Auguste Langlois und war bei einem Papparbeiter in der Lehre; er hatte seine Mutter früh verloren und wurde von seinem Vater oft nach Noten geprügelt.
Herzog Jean hörte ihn nachdenklich an: „Komm, wir wollen etwas zusammen trinken,“ sagte er und führte ihn in eine Wirtschaft, wo er ihm starken Punsch vorsetzen liess. Der Junge trank, ohne ein Wort zu sprechen. – „Möchtest Du Dich heute Abend amüsieren?“ fragte der Herzog. Dann hatte er den Kleinen zu Madame Laura, einer Dame geführt, die in der Rue Mosnier in der dritten Etage eine Auswahl von Blumenmacherinnen wie eine Reihe roter Zimmer, die mit runden Spiegeln, Kanapees, etc. etc. ausgestattet waren, hielt.
Dort hatte Auguste ganz verdutzt seine Mütze zwischen seinen Fingern drehend ein kleines Bataillon Frauenzimmer gesehen, die alle wie aus einem Munde riefen:
„Ach, der hübsche Junge!“
„Aber sag mal, Kleiner, Du hast noch nicht das richtige Alter,“ fügte eine stattliche Brünette mit gebogener Nase und grossen dunklen Augen hinzu, die bei Madame Laura die unvermeidliche Rolle der schönen Jüdin vertrat.
Herzog Jean schien dort zu Hause zu sein und unterhielt sich leise mit der Wirtin.
„Sei doch nicht bange, Dummkopf,“ rief er dem Jungen zu. „Triff Deine Wahl, ich bezahle.“ Und er gab dem Kleinen einen leichten Stoss, so dass er auf den Divan zwischen zwei der Schönen fiel.
Auf ein Zeichen der Wirtin rückten diese etwas zusammen, hüllten die Kniee des Jungen mit ihren Röcken ein und hielten ihm ihre entblössten Schultern, die stark nach einem betäubenden Puder rochen, unter die Nase. Der arme Kleine rührte sich nicht mehr; sein Kopf wurde ganz heiss und rot, der Mund trocken; die Augen niederschlagend wagte er nur verstohlen einige neugierige Blicke.