Wanda, die schöne Jüdin, küsste ihn und gab ihm gute Ratschläge, empfahl ihm, seinem Vater und seiner Mutter zu gehorchen und zur selben Zeit glitten ihre Hände langsam über den Jungen hin, dessen veränderte Gesichtszüge konvulsivisch zuckten.

„Es ist also nicht Deinetwegen, dass Du heute Abend kommst?“ fragte Madame Laura den Herzog. „Aber zum Teufel, wo hast Du nur den Schlingel aufgetrieben?“ fing sie wieder an, als Auguste mit der Schönen in einem Nebenzimmer verschwunden war.

„Auf der Strasse, meine Beste.“

„Du bist doch nicht betrunken?“ murmelte die alte Wirtin. Und nach einiger Überlegung fügte sie mit einem mütterlichen Lächeln hinzu: „Du liederlicher Strick, Dir steht nach frischer Ware der Sinn!“

Herzog Jean zuckte mit den Achseln. „Du irrst Dich gehörig! ja vollständig,“ entgegnete er. „Die Wahrheit ist, dass ich einfach versuche, mir einen Mörder zu bilden. Folge einmal aufmerksam meiner Beweisführung. Dieser Junge ist noch rein, doch hat er das Alter erreicht, wo das Blut zu wallen anfängt; er würde hinter den jungen Mädchen in seinem Viertel herlaufen, sich amüsieren und doch noch rechtschaffen bleiben, um schliesslich sein bescheidenes Teil an einem momentanen Glück zu geniessen, wie es den Armen eben beschieden ist. – So aber, wo ich ihn hierher führe, in die Mitte Eures Paradieses, das er gar nicht ahnt und das ihm notgedrungen im Gedächtnis verbleibt, und indem ich ihm alle vierzehn Tage eine solch unverhoffte Wonne zuteil werden lasse, wird er sich an den Genuss des Fleisches gewöhnen. Es wird ihm systematisch zum Bedürfnis werden! Nehmen wir selbst an, dass er drei Monate braucht, bis der Genuss ihm absolut notwendig geworden – und mit den langen Zwischenräumen, die ich mache, laufe ich keine Gefahr, ihn zu übersättigen – nun, am Ende dieser drei Monate werde ich die kleine Rente, die ich Dir einzahlen werde, aufheben, und dann wird er stehlen wie ein Rabe, um hierher kommen zu können; er wird alle Hebel in Bewegung setzen, um sich auf diesem Divan und unter diesem Gas wälzen zu können.

Die Sache zum äussersten getrieben: er wird, wie ich hoffe, eines Tages seinem Herrn, der ihn dabei betrifft, wie er dessen Geldschrank öffnet, einfach den Hals umdrehen, und so ist, wie Du siehst, mein schöner Zweck erreicht. Ich werde im Verhältnis meiner Mittel eben dazu beigetragen haben, einen Schurken mehr zu schaffen, ein Nahrungsmittel der edlen Justitia, was mir als Feind dieser verabscheuten Gesellschaft, die uns brandschatzt, gerade recht ist.“ –

Die Frauenzimmer sahen ihn mit grossen Augen an.

„Da bist Du ja!“ fing er wieder an, als er Auguste in den Salon zurückkommen sah, der sich rot und verlegen hinter der schönen Jüdin zu verstecken suchte.

„Nun, mein Junge, es ist schon spät, sag diesen netten Damen gefälligst Adieu.“

Und auf der Treppe teilte er ihm mit, dass er alle vierzehn Tage, ohne dass es ihn einen Heller koste, zu Madame Laura gehen könne; dann auf der Strasse angelangt, sah er den ganz betäubten Jungen einen Augenblick lang an, und schloss: