Jetzt erstarrte sein Blut vor Schreck in den Adern, wie gebannt blieb er an seinem Platz. Dieses doppelsinnige Gesicht, ohne Geschlecht, war grün, mit entsetzlichen Augen von kaltem, klarem Blau, die unter violetten Augenlidern hervorsahen; Ausschlag umgab den Mund; aussergewöhnlich magere Arme, wie die eines Skelettes, nackt bis zum Ellbogen, steckten aus zerrissenen Ärmeln hervor, zitternd vor Fieber, und fleischlose Lenden klapperten in übergrossen Reiterstiefeln.

Der entsetzliche Blick dieser Augen heftete sich auf Herzog Jean, durchdrang ihn, erstarrte ihn bis zum Mark; die Frau mit dem Bulldoggengesicht klammerte sich in wahnsinniger Angst an ihn, stiess ein Todesgeheul aus, den Kopf auf den steifen Hals hintenüber geworfen.

Und sogleich begriff er den Sinn dieser furchtbaren Erscheinung. Er hatte das Bildnis der Lustseuche vor sich.

Ausser sich und von Furcht getrieben warf er sich in einen Querweg, erreichte laufend einen Pavillon, der zwischen Ebenholzbäumen stand; dort sank er in einem Korridor auf einen Stuhl nieder.

Nach einigen Minuten, als er anfing wieder zu Atem zu kommen, vernahm er ein Schluchzen neben sich, er richtete den Kopf in die Höhe ... die Frau mit dem Bulldoggenkopf stand vor ihm; und jämmerlich grotesk weinte sie heisse Thränen, jammernd, dass sie während der Flucht ihre Zähne verloren habe, indem sie aus der Tasche ihrer grossen weissen Schürze Thonpfeifen hervorzog, die sie zerbrach, und die Stücke der weissen Röhren in die Löcher ihres Zahnfleisches steckte.

Teufel, jetzt wird sie ganz verrückt, dachte der Herzog, die Pfeifenrohrstücke werden niemals festsitzen, – und in der That, sie fielen auch alle eines nach dem andern wieder aus.

Im selben Augenblick vernahm er den Galopp eines Pferdes. Ein furchtbarer Schreck erfasste den Herzog; fast brachen seine Kniee unter ihm zusammen; der Galopp kam näher; die Verzweiflung trieb ihn wie mit einem Peitschenhieb in die Höhe. Er warf sich auf das Weib, das auf den zerbrochenen Thonstücken herumtrampelte, sie anflehend, ruhig zu sein, sie beide nicht zu verraten durch den Lärm ihrer Stiefel. Sie schlug mit Händen und Füssen um sich, er schleifte sie bis zum Ende des Korridors, sie fast erwürgend, um sie am Schreien zu hindern; plötzlich bemerkte er eine Wirtshausthür mit grünem Laden, ohne Klinke; er stiess sie auf, nahm einen Anlauf, blieb aber plötzlich stehen.

Vor sich, mitten in einer weiten Lichtung, sah er riesige, weisse Pierrots bei hellem Mondschein Bocksprünge machen.

Thränen der Entmutigung stiegen ihm in die Augen; niemals, nein niemals würde er die Schwelle der Thür überschreiten können.

Ich würde zertreten werden, dachte er, – und wie um seine Befürchtungen zu rechtfertigen, vervielfältigte sich die Zahl der ungeheuren Hanswurste; ihre Sprünge nahmen jetzt den ganzen Horizont und den ganzen Himmel ein, gegen welchen sie abwechselnd bald mit ihren Köpfen, bald mit ihren Füssen stiessen.