Er trat hinzu und bemerkte, dass es die Rhizomorphen waren, welche beim Atmen gleichsam einen Nachtlampenschimmer ausstrahlen.

„Diese Pflanzen sind geradezu erstaunlich,“ sagte er zu sich; dann trat er zurück und warf einen Blick auf den Haufen: sein Zweck war erreicht. Keine einzige machte den Eindruck des Natürlichen; Stoff, Papier, Porzellan, Metall, sie schienen der Natur vom Menschen geliehen zu sein, um solche Extravaganzen hervorzubringen.

„Es ist wahr,“ fuhr Herzog Jean fort, „dass in den meisten Fällen die Natur allein unfähig ist, solche ungesunden, verdorbenen Gattungen zu erzeugen; sie liefert den ersten Stoff, den Keim und den Boden, die Nährmutter und die wesentlichen Bestandteile der Pflanze, die der Mensch aufzieht, modelliert, malt und schnitzt je nach seinem Gefallen.

So eigensinnig, so verworren, so beschränkt sie auch ist, sie hat sich schliesslich ergeben und ihr Meister hat es dahin gebracht, durch chemische Gegenwirkungen die Substanzen der Erde zu verändern, lang gereifte Zusammenstellungen, langsam vorbereitete Kreuzungen anzuwenden, sich geschickter Ableger, methodischer Pfropfreiser zu bedienen, und er bildet jetzt auf demselben Zweig Blumen verschiedener Farbe, erfindet für sie neue Nüancen und ändert nach seinem Willen die hundertjährige Form ihrer Pflanzen; er schleift die Blöcke ab, vollendet die Entwürfe, zeichnet sie mit seinem Stempel, drückt ihnen sein Kunstsiegel auf.

Kein Zweifel,“ meinte er, seine Betrachtungen zusammenfassend, „der Mensch kann in wenigen Jahren eine Zuchtwahl herbeiführen, die die faule Natur nur nach Jahrhunderten hervorzubringen vermag; heutzutage sind entschieden die Gärtner allein die wahren Künstler.“

Er fühlte sich etwas angegriffen und erstickte fast in der Atmosphäre der eingeschlossenen Pflanzen; die Wege, die er seit ein paar Tagen gemacht, hatten ihn ermüdet; der Wechsel der freien Luft und der lauwarmen Temperatur seiner Wohnung, die Unbeweglichkeit eines zurückgezogenen Lebens und die Bewegung eines freien Daseins waren zu schroff gewesen. Er verliess sein Vorzimmer und legte sich aufs Bett; aber mit einem einzigen Gegenstand beschäftigt, wie durch eine Federkraft in Bewegung gesetzt, fuhr der Geist, obgleich eingeschläfert, fort, seine Kette abzuwickeln; und es dauerte nicht lange, bis er der düstern Macht des Alps verfiel.

Er befand sich in einer Allee mitten im Gehölz. Es dämmerte; er ging an der Seite einer Frau, die er nie gekannt, noch je gesehen hatte. Sie war mager, hatte flachsgelbes Haar, ein Bulldoggengesicht voller Sommersprossen, schiefe Zähne, die unter der Stumpfnase hervorstanden. Sie trug eine grosse weisse Schürze, ein Tuch aus Büffelleder über die Brust geschlagen, halbhohe preussische Soldatenstiefel und eine schwarze Haube mit Rüschen verziert.

Sie schien eine Fremde und sah aus wie eine dem Jahrmarkt entlaufene Gauklerin.

Er fragte sich, wer dieses Weib sein möge, das er schon seit langem in seiner Intimität fühlte; er suchte vergeblich nach ihrem Ursprung, ihrem Namen, ihrem Gewerbe, ihrem Recht, neben ihm zu sein; ihm kam keine Erinnerung an diese unerklärliche Bekanntschaft, die doch zweifellos war.

Er forschte noch immer in seinem Gedächtnis, als plötzlich vor ihnen eine seltsame Figur zu Pferde erschien, die plötzlich herantrabte und sich dann im Sattel herumdrehte.